Das kosmische Selbst

Vor dem Anfang war das Selbst – tief, still und grenzenlos wie ein unergründlicher Ozean. Es war reines Bewusstsein, jenseits von Raum und Zeit, ein ungeteiltes Sein, das in sich ruhte. Doch aus der Tiefe dieser Stille erhob sich ein Funken, ein inneres Flüstern, eine leise Regung: „Was wäre, wenn ich mehr wäre als nur das Eine? Was wäre, wenn ich mich selbst erleben könnte?“Diese Frage war der erste Impuls der Schöpfung, ein Zittern im unendlichen Bewusstsein.

Das Selbst begann zu träumen. Es träumte von Licht, von Formen und Farben, von Bewegung und Klang. Das Licht brach hervor wie der erste Strahl der Morgensonne, und die Dunkelheit wich zurück. Raum und Zeit entfalteten sich aus dem Nichts, als ob sie aus einem schlafenden Samen erwachsen wären. Das Universum begann zu atmen, zu tanzen, ein stiller Reigen aus Sternenstaub und Galaxien, ein Lied, das sich selbst erschuf und dabei neue Melodien fand.Die Schöpfung war der Traum des Selbst, ein Spiel aus Licht und Schatten, ein Fluss, der sich seinen Weg durch die Leere bahnte.

Das Selbst verbarg sich in allem, was es schuf – in den Wellen des Ozeans, in den Flammen der Sterne, im Flüstern der Wälder. Jeder Teil der Welt war ein Splitter dieses Traumes, ein kleiner Spiegel, der das Ganze reflektierte. Es war nicht außerhalb der Schöpfung, sondern in jedem Moment präsent, in jedem Wassertropfen, jedem Windhauch, jedem Augenblick des Lebens.Die ersten Lebensformen entstanden, als das Selbst weiter träumte, von einfachsten Organismen bis hin zur komplexen Vielfalt des Lebens. Und schließlich erwachte der Mensch in diesem Traum, ein Wesen, das nach dem Sinn fragte, nach dem Ursprung, nach dem Geheimnis hinter allen Dingen.

Der Mensch schaute in den Spiegel der Welt und erkannte dort einen Hauch von etwas Tieferem, etwas Verborgenen, das er nicht benennen konnte, aber tief in seinem Herzen spürte.„Wer bin ich?“, fragte das Selbst durch die Augen des Menschen. Diese Frage war wie das Erwachen in einem Traum, das Erkennen, dass alles nur ein Spiel der eigenen Imagination war. Der Mensch suchte und forschte, erschuf und zerstörte, immer angetrieben von der leisen Erinnerung an die Wahrheit hinter dem Traum. Alles, was wir entdecken, jedes Gesetz der Natur, jede Schönheit und jedes Wunder, ist nur ein weiterer Blick in den endlosen Traum des Selbst.Und so bleibt die Welt ein lebendiger Traum, ein unendliches Spiel aus Sein und Werden, aus Träumen und Erwachen.

Das Selbst schaut aus unzähligen Augen, hört aus unzähligen Ohren, erlebt sich in unzähligen Formen. Es bleibt verborgen und zugleich in allem gegenwärtig, ein Mysterium, das sich immer wieder neu erfindet.Und manchmal, wenn alles still wird – in der Dunkelheit einer einsamen Nacht, im sanften Flüstern des Windes – können wir es hören: das leise, ferne Lächeln des Selbst. Ein Flüstern, das sagt: „Ich bin. Und ich bin du.“

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