Der verkehrte Mensch

„Immer kommt er zu früh oder zu spät,
immer schläft er, wo er wachen sollte,
immer regt er sich auf, wo er ruhig bleiben dürfte.

Immer schweigt er, wo er reden sollte,
und immer führt er das Wort, wo Schweigen das allein gute Teil wäre.

Immer lacht er, wo er weinen sollte,
und immer weint er, wo er getrost lachen dürfte.

Er will immer eine Ausnahme machen, wo die Regel gelten müsste,
und immer unterwirft er sich einem Gesetz, wo die Freiheit zu wählen hätte.

Er werkelt immer, wo nur Beten hilft,
und betet immer, wo Arbeiten hilft.

Immer streitet er, wo es nicht nötig, sondern schädlich ist,
und immer redet er von Liebe und Frieden, wo einmal ernst dreinzuschlagen wäre.

Er führt immer den Glauben und das Evangelium im Munde,
wo es gelten würde, ein Stück gesunden Menschenverstand zur Sprache zu bringen;
und immer vernünftelt er, wo man sich und andere in die Hände Gottes befehlen dürfte und sollte.

Dieser grundverkehrte Mensch,
den Gott der Herr doch so liebt wie seinen eigenen Sohn Jesus Christus,
den er für uns in den Tod gegeben hat,
damit alles wieder seine Richtigkeit habe.“

(Quelle: Karl Barth)

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