Auf dem Exoplaneten Xyrae lebten die Lumenari, eine Spezies aus leuchtenden, halbtransparenten Wesen, die in harmonischem Einklang mit den Energiefeldern ihres Planeten existierten. Ihre Religion, die Stellaritas, drehte sich um das Licht der Sterne, welches sie als göttliche Botschaften des Universums verehrten.
Die Große Lumenkathedrale, eine Kirche aus lebendigem Kristall, stand im Zentrum jeder Siedlung. Ihre gewölbten Decken und Wände bestanden aus reflektierenden Materialien, die das Sternenlicht einfingen und es in tausend Farben brachen. Dort sammelten sich die Lumenari, um die Botschaften des Himmels zu „hören“. Es war kein Hören im menschlichen Sinne, sondern ein inneres Verstehen – das Flüstern der Sterne vibrierte in ihren leuchtenden Körpern und formte Visionen und Gedanken.
Der Glaube der Lumenari besagte, dass jede Sonne ein Ältester Geist sei, der unendliches Wissen in das Universum strahlte. Die Sterne waren nicht nur ferne Kugeln aus Plasma, sondern bewusste, weise Entitäten, die in ihrer letzten Lebensphase zu schwarzen Löchern wurden. In diesen dunklen Herzen, so glaubten die Lumenari, fanden die Seelen der Erleuchteten eine neue Existenzform – sie wurden Teil des kosmischen Geistes.
Einmal im Jahr feierten die Lumenari das Fest der Großen Reflexion. In dieser Zeit fingen sie das Licht weit entfernter Sterne durch gewaltige Kristalltürme ein und ließen es durch die Kathedrale tanzen. Während des Rituals knieten sie im Schweigen und öffneten ihre Geister für die „Stimmengesänge“ der Sterne. Es hieß, jene, die reinen Herzens waren, konnten direkte Offenbarungen der Ältesten Geister empfangen.
Ein junger Lumenar namens Xyphon hatte während des Festes eine Vision, die alles veränderte. Ein Stern flüsterte ihm von der Dunklen Reise: Die Sterne selbst, so verkündete die Vision, würden eines Tages sterben und die Lumenari müssten lernen, ihr Licht in sich selbst zu tragen. Viele sahen Xyphon als Ketzer an, andere als Propheten. Der Glaube der Stellaritas, seit Äonen unverändert, wurde erschüttert.
Doch Xyphon blieb standhaft. Mit einer kleinen Gruppe Anhänger verließ er die Kathedrale und begann, Kristalle zu schleifen, die das Licht von innen heraus abstrahlten. „Die Sterne sind in uns“, erklärte er. So entstand eine neue Denkschule der Stellaritas, die sich auf das innere Licht konzentrierte – und die Lumenari lernten, dass das Göttliche nicht nur im Himmel, sondern auch in ihnen selbst verborgen lag.
Und so lehrte die Religion der Sterne die Lumenari nicht nur Ehrfurcht vor dem Kosmos, sondern auch die Suche nach Licht und Wahrheit in ihrem eigenen Sein.

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