Elena dachte an die Sommer ihrer Kindheit zurück, an die Tage, die voller Wärme und Freiheit waren. Es begann meist auf dem Bolzplatz, einem staubigen Stück Wiese, wo sie mit ihren Freunden Fußball spielte. Der Ball flog von Fuß zu Fuß, das Lachen hallte weit über die Felder, und der Staub klebte an ihren Beinen. Tore zu schießen oder einfach nur zu laufen, bis die Sonne tief am Himmel stand, war das Einzige, was zählte. Doch der Bolzplatz war nur der Anfang.
Oft zogen sie weiter, streiften durch die nahen Felder und Wälder, wo das Gras hoch stand und die Wege schmal und geheimnisvoll waren. Sie spielten Verstecken zwischen Bäumen, sprangen über kleine Bäche und bauten geheime Lager aus Ästen und Blättern. Der Wald war kühl und roch nach feuchter Erde und Moos, ein Ort, der für Elena voller Möglichkeiten war. Hier, unter dem grünen Blätterdach, fühlte sie sich wie eine Entdeckerin, die sich in eine unbekannte Welt vorwagte.
Wenn sie am Abend nach Hause kam, wartete der Garten auf sie. Die Erwachsenen saßen zusammen an einem langen Tisch, redeten und lachten bei Brot, Früchten und kaltem Wasser. Elena setzte sich oft daneben ins Gras, die Beine angezogen, und beobachtete das flackernde Licht der Gartenlaternen, das auf die Blätter tanzte. Die Luft war warm, und das Zirpen der Grillen vermischte sich mit den Stimmen der Erwachsenen.
In solchen Momenten griff sie nach ihrem Zauberwürfel. Stundenlang drehte sie ihn, ihre Finger mechanisch, der Geist bei ganz anderen Fragen. Es gibt immer eine Lösung, sagte sie sich, während die Farben wieder und wieder ordneten und auseinanderfielen. Der Würfel war wie ein kleines Rätsel des Lebens – eine Ordnung, die sich nicht sofort ergab, die man aber finden konnte, wenn man nur geduldig blieb.
Wenn die Gespräche verklangen und die Dunkelheit die letzten Farben verschluckte, legte sich Elena ins Gras und blickte in den Himmel. Ihr kleines Buch über Sternbilder lag oft neben ihr. Es war ein Geschenk ihres Vaters gewesen, das sie mit unendlicher Neugier erfüllt hatte. Sie suchte die vertrauten Linien des Großen Wagens, von Orion und den Plejaden. Die Sterne waren für sie wie Tore, die in etwas Größeres führten, etwas, das jenseits der Felder und Wälder lag, die sie kannten.
Die Sterne faszinierten sie, weil sie so nah und gleichzeitig so unerreichbar schienen. Jedes Mal, wenn sie zu ihnen aufsah, stellte sich die gleichen Fragen: Hat das Universum ein Ende? Und wenn es ein Ende hat, was liegt dahinter? Wie weit konnte man reisen, und gab es irgendwo einen Punkt, an dem alles begann oder alles aufhörte? Die Unendlichkeit des Himmels erfüllte sie mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Sehnsucht. Diese Gedanken begannen hier, in diesen stillen Nächten, in denen sie im Gras lag und das Gefühl hatte, von etwas Großem berührt zu werden, das sie noch nicht verstehen konnte.
Die Sommer waren ein Traum aus Staub, Waldgeruch und warmen Nächten. Der Bolzplatz, die Streifzüge durch den Wald, die Abende im Garten – all das war Teil des Anfangs gewesen. Hier, unter dem Sternenhimmel, hatte ihre Sehnsucht begonnen, die sie bis heute begleitete.

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