Das Flimmern der Ewigkeit Kapitel 5: Nelly

Elena sitzt in ihrer Wohnung, während der Abend langsam in die Nacht übergeht. Nur das leise Ticken der Uhr und das Summen der Heizung durchbrechen die Stille. Nelly, ihre kleine Yorkshire-Terrier-Hündin, liegt zusammengerollt auf dem Teppich, neben sich ihren abgenutzten Ball und das quietschende Spielschweinchen, genannt „Schweini“ – beides vertraute Begleiter ihrer vielen Spiele.

Elena beobachtet Nelly mit einem stillen Lächeln. Wie oft liegt die Hündin wie eine Katze auf dem Fensterbrett, die Pfoten ordentlich unter sich gefaltet, und starrt hinaus in die Welt. Vögel, vorbeirollende Autos, die flimmernden Lichter des Abends – Nelly scheint alles zu beobachten. „Was denkt sie wohl, wenn sie dort sitzt?“, fragt Elena sich. Vielleicht ist es pure Neugier, vielleicht etwas, das Elena nie verstehen wird.

Ihr Blick wandert zu Nellys ruhigem Atem und sie denkt an den Tag beim Züchter. Ein Rudel  von tapsigen Welpen begrüßte sie und einer knabberte unerschrocken an ihrem Schuh. Elena nahm ihn ohne Zögern hoch. Der winzige Welpe leckte sofort sanft ihre Wange. Die Züchterin lächelte und sagte: „Da haben sich wohl zwei gefunden.“ Von diesem Tag an gehörten sie zusammen.

Die Wohnung ist still, doch plötzlich hebt Nelly den Kopf. Ihre Ohren zucken, und sie starrt in eine dunkle Ecke neben dem Bücherregal. Elena runzelt die Stirn. „Was hast du gehört?“, flüstert sie. Nelly knurrt leise, ein kaum hörbarer Laut, der sie noch kleiner wirken lässt.

Elena geht zur Ecke, streicht mit der Hand über die Schatten zwischen Regal und Wand. Da ist nichts. Sie atmet tief durch und kehrt zum Sofa zurück. Nelly folgt ihr, springt auf die Couch und kuschelt sich in ihren Schoß.

Elena streicht der Hündin über das weiche Fell und sagt leise: „Du hörst Dinge, die ich nicht hören kann, oder?“ Nelly blickt sie kurz an, legt den Kopf schief und wedelt mit dem Schwanz.

Ein leises Lächeln huscht über Elenas Gesicht. Sie nimmt Nelly auf den Arm und geht ins Schlafzimmer. Dort springt Nelly sofort aufs Bett und legt sich an ihre Seite.

Kaum hat sich Elena hingelegt und die Decke über sich gezogen, tapst Nelly unruhig auf ihrer Matratze herum. Sie quiekt leise und kratzt an der Decke – ihr unmissverständliches Zeichen, dass sie „darunter“ möchte. Elena schmunzelt und hebt die Decke. „Komm schon, kleine Prinzessin“, murmelt sie.

Nelly kriecht zufrieden unter die Decke, rollt sich eng an Elenas Seite zusammen und atmet schwer aus. In diesem Moment, warm und sicher, fühlt Elena einen Anflug von Frieden.

Doch dann, gerade als Elena die Augen schließt, hört sie es wieder – dieses leise Knacken aus dem Wohnzimmer. Ein Geräusch wie Holz, das unter Spannung ächzt, und es wird immer lauter. Sie öffnet die Augen, schaut in die Dunkelheit, aber rührt sich nicht. Nelly, unter der Decke, bleibt merkwürdigerweise still. Elenas Herz schlägt ihr bis zum Hals und sie traut sich kaum zu atmen. Aber dann hört es plötzlich auf und nach einigen Minuten der Stille entspannt sich Elena wieder.

„Einbildung“, flüstert Elena zu sich selbst.

Sie schließt die Augen, legt eine Hand beruhigend auf Nellys Rücken und hört nur noch ihren gleichmäßigen Atem. Die Welt draußen mag voller Geheimnisse sein, aber hier, in diesem Bett, fühlt sich alles für einen Moment in Ordnung an.

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