Das Flimmern der Ewigkeit Kapitel 7: Blick in die Zukunft

Der Duft von gebratenem Gemüse und Gewürzen lag noch in der Luft, als Elena und Tarek am Esstisch saßen. Sie hatten gemeinsam gegessen, ein Glas Wein getrunken und lachten jetzt über alte Geschichten aus ihrer Studienzeit. Es war einer dieser Momente, in denen die Zeit kurz stillzustehen schien – leicht, vertraut und unbeschwert.

„Weißt du noch“, grinste Tarek und hob die Hand, „wie du beim Physik-Vortrag das falsche Experiment gezeigt hast? Statt einer Welle hast du aus Versehen eine völlig chaotische Schwingung produziert.“

Elena lachte: „Ja! Und ich habe stur weitergeredet, als wäre das Absicht gewesen. Das Beste war, dass der Professor es beeindruckend fand.“

Tarek schüttelte lachend den Kopf, doch plötzlich verstummte er. Die Luft schien schwerer zu werden, ein kaum hörbares Knistern vibrierte durch den Raum. Elena runzelte die Stirn. „Hörst du das?“

„Was?“, fragte Tarek, doch seine Stimme klang dumpf, weit weg.

Dann brach es auf – mitten im Raum öffnete sich ein feiner Riss, kaum mehr als ein Haarriss in der Luft. Goldene Funken sprühten daraus hervor, wuchsen zu tanzenden Lichtstreifen, die sich wirbelnd ausdehnten. Das Knistern wurde lauter, fast spürbar auf der Haut. Elena starrte gebannt, unfähig, sich zu rühren. Ihre Wahrnehmung verschob sich, und plötzlich wurde alles dunkel – ein Strudel aus Licht und Stille umschloss sie.

Bilder flammten auf.

Sie sah grüne, schimmernde Städte, in denen Menschen ruhig und harmonisch lebten, Gärten voller Licht und Leben, hochgewachsene Türme, die mit der Natur verschmolzen. Kinder liefen lachend durch Felder, während Vögel in dichten Baumkronen sangen.

Doch dann kippte das Bild. Der Himmel war plötzlich von Rauch verschluckt, die Landschaft verbrannt. Riesige Maschinen gruben gierig in der Erde, wo einst Wälder gestanden hatten. Städte lagen in Trümmern, graue Silhouetten taumelten durch Staub und Dunkelheit. Sie sah Menschen mit leeren Augen, die sich in endlosen Schlangen durch verlassene Landstriche zogen. Ein Gefühl von Trauer und Angst schnürte ihr die Brust zu.

Ein letztes Bild flackerte vor ihr auf: ein goldener Schimmer, der wie ein flüchtiger Funken über einer zerstörten Welt lag, als ob die Hoffnung selbst mit letzter Kraft flimmerte.

„Elena! Elena!“

Tareks Stimme durchbrach die Dunkelheit. Das goldene Licht zerplatzte wie ein Glas, und Elena fand sich zurück am Tisch. Ihre Hände zitterten, der Raum war still.

„Elena, was ist los?“, fragte Tarek, sein Gesicht besorgt. „Du bist blass geworden und hast minutenlang vor dich hin gestarrt.“

Sie hob langsam den Blick zu ihm. „Du hast das nicht gesehen? Den Riss? Das Licht?“

Tarek schüttelte den Kopf. „Nein. Gar nichts. Du bist einfach weggetreten.“

Elena atmete tief durch, die Bilder noch immer in ihrem Kopf. „Ich glaube, ich habe die Zukunft gesehen“, flüsterte sie. „Eine Welt, die gleichzeitig schön und zerstört ist.“

Tarek sagte nichts mehr, doch der Ausdruck auf seinem Gesicht verriet seine Zweifel. Elena hingegen wusste: Was sie gesehen hatte, war kein Traum. Der Riss war real gewesen. Und die Zukunft war nah.

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