Das Flimmern der Ewigkeit Kapitel 12: Der Fremde

Das Labor lag im Halbdunkel, nur der Bildschirm warf sein bläuliches Licht auf Elenas Gesicht. Die restliche Forschungsstation war längst verlassen. Sie hatte das Signal noch einmal geöffnet – verbotenerweise. Der Forschungsleiter hatte die Arbeiten untersagt, doch das war ihr egal. Dieses Signal ließ sie nicht los.

Es flimmerte konstant auf dem Monitor. Linien, die sich zu geometrischen Mustern verschachtelten und für Sekundenbruchteile zu tanzen schienen, als hätten sie ein eigenes Leben. Elena starrte darauf, ihre Gedanken verloren in den sich wiederholenden Wellen.

Dann, ohne Vorwarnung, fiel das Licht flackernd aus. Nur der Bildschirm blieb an, und ein leichtes, kaum hörbares Summen erfüllte die Luft.

Ein Klopfen.

Elena zuckte zusammen. Es war kein normales Klopfen – rhythmisch, mechanisch, als würde jemand mit einer Präzision gegen die Tür schlagen. Sie drehte sich langsam um.

„Wer ist da?“ Keine Antwort. Die Tür öffnete sich, und ein Mann trat ein.

Er war groß, seine Gestalt schlank und in einen schwarzen Mantel gehüllt. Sein Gesicht war so glatt, so makellos, dass es fast künstlich wirkte. Doch das Unheimlichste war das Licht um ihn: Ein kaum sichtbares Flimmern, das seine Konturen zum Zittern brachte, als wäre er ein Bild auf einem gestörten Bildschirm.

„Guten Abend, sagte er. Seine Stimme klang gedämpft, als käme sie von weit her, durch Wasser oder eine andere Dichte hindurch.

Elena spürte einen eisigen Stich in der Brust. „Wer sind Sie? Wie kommen Sie hier herein?“

Der Mann trat näher. Seine Bewegungen waren fließend, und doch schien er den Boden kaum zu berühren. Das Flimmern um ihn herum pulsierte leicht, wie die Linien des Signals auf ihrem Bildschirm.

„Sie wissen, was das ist, was Sie gefunden haben“, sagte er leise. „Sie sind weiter gegangen, als Sie sollten. Die Fragen, die Sie stellen, können nicht beantwortet werden. Nicht hier.“

Elena spürte, wie sich ihre Hände verkrampften. „Wovon reden Sie? Sie wissen etwas über das Signal, nicht wahr? Was ist es?“

Der Mann hielt inne, seine leeren, fast durchsichtigen Augen auf sie gerichtet. Für einen Moment schien er zu schmelzen – seine Gestalt zerfloss in flimmernde Wellen, wie ein Bild, das im Rauschen verschwand, nur um sich kurz darauf wieder zu stabilisieren.

„Ich bin das“, sagte er mit einem Hauch von Bedauern. „Das, was Sie sehen. Was Sie messen. Was Sie nicht verstehen.“

Elena rang nach Luft. „Das Signal…? Sie… Sie sind das Signal?“

Das Flimmern wurde stärker, das Summen in der Luft intensiver. „Ihr Verstehen ist begrenzt, doch Sie beginnen, die Oberfläche zu berühren. Seien Sie gewarnt: Manche Dinge existieren, weil sie unbeobachtet bleiben. Manche Antworten zerstören das, was Sie kennen.“

Elenas Kopf schwirrte. Die Worte hallten nach, und das Flimmern des Mannes übertrug sich auf die Wände, die Geräte, sogar auf ihren eigenen Schatten. Sie spürte, dass sie am Rande von etwas stand, das ihre Logik sprengte.

„Was wollen Sie von mir?“, fragte sie leise.

„Nichts“, sagte er und drehte sich langsam zur Tür. „Ich warne Sie nur: Lassen Sie es ruhen.“

Er öffnete die Tür, und im Flur war nichts als Schwärze. Für einen Augenblick schien der Mann völlig zu verschwimmen – eine Welle aus Licht und Schatten, die sich in ihre Bestandteile auflöste. Dann war er fort.

Der Raum war still. Elena ließ sich in ihren Stuhl sinken, ihre Finger zitterten. Sie drehte sich langsam zum Monitor um. Die Linien des Signals flimmerten weiter, regelmäßiger denn je, doch jetzt schien es, als sähe sie etwas darin: ein Echo seiner Gestalt.

„Er war das Signal“, dachte sie. „Ein Echo… oder ein Bote?“

Sie wusste nur eines: Dies war größer, als sie bisher zu denken gewagt hatte. Und es hatte sie gefunden.

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