Das Flimmern der Ewigkeit Kapitel 13: Das Symbol

Das Labor war still. Elena saß regungslos vor dem Bildschirm, das Flimmern des Signals spiegelte sich in ihren müden Augen. Der fremde Mann und sein unnatürliches Flimmern waren verschwunden, doch es fühlte sich an, als hätte er etwas in ihr zurückgelassen – einen Abdruck, eine Spur, die sie nicht mehr abschütteln konnte.

Sie zwang sich, auf die Daten zu schauen. Auf den ersten Blick waren es nur Wellen und Frequenzen, dieselben Muster wie immer. Doch je länger sie starrte, desto mehr entfaltete sich etwas vor ihr. Sie zoomte tiefer, immer tiefer, bis die Linien begannen, sich zu verbinden. Es war kein Zufall. Ein Symbol schälte sich heraus. Ein Kreis, so perfekt gezogen, dass er unnatürlich wirkte, und aus seiner Mitte wand sich eine Spirale nach außen – geordnet, endlos, hypnotisch.

Elena lehnte sich zurück. Das Bild ließ sie nicht los. Es war zu genau, zu bewusst, um Rauschen oder einen Fehler zu sein. Etwas in ihr zog zusammen. Sie hatte das schon einmal gesehen. Der Gedanke war vage, wie ein Schatten, der sich nicht greifen ließ.

Ein Sommertag. Ein Kornfeld.

Sie schloss die Augen und war wieder 16 Jahre alt, stand mitten in einem Feld, das golden im Licht flimmerte. Die anderen rannten lachend um sie herum, doch sie blieb stehen. In der Mitte des Feldes lag der Kreis. Ein makelloser, riesiger Kornkreis. Und in seiner Mitte – genau dieses Symbol. Die Spirale. Sie war nicht einfach geformt, sie pulsierte, als hätte sie ein Eigenleben.

Elena spürte damals etwas, das sie nicht erklären konnte. Eine Stille, die mehr war als die Abwesenheit von Geräuschen. Ein Blick, unsichtbar, der sie durchdrang.

Sie schlug die Augen wieder auf. Das Gefühl war zurück. Das Symbol auf dem Monitor und das Bild in ihrem Kopf verschmolzen zu etwas, das sich zu groß anfühlte, um es zu begreifen. Sie druckte es aus, und das Summen begann. Tief, kaum hörbar, vibrierte es durch die Luft wie ein Echo des Flimmerns, das den Fremden begleitet hatte.

Als sie das Papier in die Hände nahm, fröstelte sie. Die Linien schienen scharf und starr, doch wenn sie länger hinsah, wirkten sie lebendig, als würden sie leicht zittern, pulsieren. Sie dachte an die Spirale, wie sie damals im Kornfeld ausgesehen hatte, und an die Frequenzen auf dem Bildschirm. Es war nicht einfach ein Bild. Es war eine Botschaft. Ein Hinweis.

„Das kann kein Zufall sein“, murmelte sie.

Nelly hob kurz den Kopf aus ihrem Körbchen und blinzelte sie verschlafen an. Elena sah zu ihr, als könnte die kleine Hündin die Unruhe in der Luft spüren.

Das Symbol war zu ihr gekommen. Ein Kornkreis in ihrer Jugend, verborgen in einem Signal, das nicht existieren dürfte. Und nun dieses Gefühl – als würde etwas oder jemand sie beobachten.

Elena legte das Papier vorsichtig auf den Tisch. Das Summen verschwand, aber die Stille, die es hinterließ, war beinahe noch lauter.

„Was willst du mir zeigen?“, fragte sie leise.

Keine Antwort. Nur das Flimmern auf dem Monitor und das Zittern in ihren Händen.

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