Elena saß in einem kleinen Café, das in warmem Licht erstrahlte. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee lag in der Luft, doch ihre Gedanken schweiften ziellos, während sie gedankenverloren in ihre Tasse starrte. Der Raum war ruhig, abgesehen von den leisen Gesprächen der wenigen Gäste. Ihr Blick fiel auf eine Frau, die allein an einem Fensterplatz saß, vertieft in ihre Notizen. Ihre Präsenz war unaufdringlich, aber irgendwie fesselnd. Die Frau trug ein einfaches schwarzes Top und eine graue Jeansjacke – nichts Auffälliges, und doch zog sie Elena magisch an.
Es war die Art, wie die Frau sich in ihrer eigenen Welt verlor, ruhig und fokussiert, als würde sie ein Geheimnis in sich bewahren. Ihre Hand strich sanft über das Papier, der Stift glitt mit einer mühelosen Präzision, die Elena in ihren Bann zog. Etwas an diesem Bild, dieser Stille, sprach eine Sehnsucht in ihr an, die sie nicht genau benennen konnte. Ein sanftes Gefühl von Verliebtheit ergriff sie, zart und unerwartet, und sie erkannte, dass es mehr war als bloße Faszination.
„Was ist es, das mich an ihr zieht?“, fragte sie sich. Es war mehr als nur äußere Anziehung – es war das, was die Frau ausstrahlte. Die Gelassenheit, die sie zeigte, war etwas, das Elena in letzter Zeit so schmerzlich vermisste. Sie beobachtete die Frau weiter, und mit jedem Moment, der verstrich, wurde ihr klarer, was sie fühlte: Diese Frau war ein Symbol, das sich von allem, was sie mit dem fremden Mann verbunden hatte, völlig unterschied.
Der fremde Mann hatte in ihr nur Zweifel, Chaos und das Gefühl ausgelöst, in einem dichten Nebel zu stehen. Er war ein Symbol für das Unverständliche, das Dunkle, das sie in den letzten Wochen immer wieder gespürt hatte – wie ein Signal aus einer anderen Dimension, das sie nicht zu deuten vermochte. Doch diese Frau… Sie war das genaue Gegenteil. In ihrer Präsenz erkannte Elena das Positive dieses Symbols, das sie so lange übersehen hatte. Der fremde Mann hatte das Flimmern in ihr ausgelöst, aber es war das Flimmern der Verwirrung, das Dunkle, das in ihr die Suche nach Antworten nur verschärfte.
Die Frau hingegen trug das Flimmern des Guten in sich. Es war nicht die überwältigende Intensität, die Elena beim Mann gespürt hatte, sondern eine sanfte Klarheit, die sie fast schmerzlich an das erinnerte, was sie im Leben suchte. Es war das gleiche Symbol – das Flimmern, das Ungeklärte – aber hier zeigte es sich auf der helleren Seite, als etwas Schönes, Beruhigendes. Etwas, das sie in der Dunkelheit der letzten Tage nicht erkennen konnte.
Die Liebe, die sie durchströmte, war nicht von der Art, die sie von anderen Beziehungen kannte. Es war ein zartes, fast ätherisches Gefühl, das in ihrer Sentimentalität und Sehnsucht nach etwas Schönem wurzeln musste. Doch es war mehr als nur eine romantische Anziehung; es war die Entdeckung von etwas, das sie innerlich ergriff, etwas, das in ihr eine Wahrheit spiegelte, die sie lange nicht gesehen hatte.
Als die Frau schließlich aufstand und das Café verließ, fühlte sich Elena unwillkürlich leer. Der Moment war vorbei, aber der Eindruck, den die Frau hinterlassen hatte, blieb. Es war, als hätte sie etwas in Elena erweckt, das sie nicht erwartet hatte. Eine Erkenntnis über sich selbst und das, was sie im Leben suchte. Es war das Flimmern, das sie bei dem fremden Mann nicht verstehen konnte – aber hier, in dieser Frau, fand es seine Vollendung.

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