Das Flimmern der Ewigkeit Kapitel 21: Elenas Vater

Es war ein stiller Abend, an dem Elena ihren Vater traf. Ein Ritual, das sie beide seit Jahren pflegten: ein Glas Wein, zwei Stimmen, und ein leiser Austausch über die Dinge des Lebens. Ihr Vater, ein Mann von pragmatischem Verstand, hielt nicht viel von Rätseln und Mysterien, was Elena bewusst war, als sie beschloss, mit ihm über ihre jüngsten Erlebnisse zu sprechen.

Sie saßen in seiner kleinen, aber gemütlichen Wohnküche. Der Tisch war von einer warmen Lampe erleuchtet, die das Holz golden schimmern ließ. Vor ihnen stand eine halb gefüllte Flasche Bordeaux, daneben zwei Gläser, in denen das dunkle Rot der Flüssigkeit schimmerte.

„Du siehst heute nachdenklich aus“, bemerkte ihr Vater, während er den Wein langsam in ihr Glas einschenkte. „Irgendwas auf dem Herzen?“

Elena zögerte einen Moment, dann begann sie, ihre Erlebnisse zu schildern: das Signal, das Symbol, die unerklärlichen Phänomene und schließlich die geheimnisvolle Versammlung in Stanford. Ihr Vater hörte zu, seine Stirn in Falten gelegt, seine Hände schwer auf der Tischplatte ruhend.

„Du willst mir erzählen“, sagte er schließlich, „dass da draußen… Anomalien geschehen? Dinge, die nicht erklärbar sind?“ Seine Stimme klang freundlich, aber skeptisch. „Weißt du, Elena, manchmal sieht man Muster, die nicht existieren.“

„Es existiert, Papa“, erwiderte Elena ruhig, aber eindringlich. „Es gibt Dinge, die wir nicht verstehen, Dinge, die größer sind als unser Verstand.“

Ihr Vater hob ein Augenbrauenpaar und nahm einen Schluck Wein. Er wollte gerade etwas erwidern, als es passierte.

Aus der offenen Weinflasche stieg plötzlich ein zartes, dunkelrotes Leuchten empor, wie ein Hauch aus der Tiefe des Glases. Das Licht sammelte sich, verdichtete sich und begann, sich zu einer Kugel zu formen. Es schwebte leise über der Flasche, pulsierend wie ein lebendiges Herz. Rot und Bordeaux verschwammen mit schimmernden Reflexen von Blau und Grün, die sanft rotierten und die Wände des Raumes mit einem Spiel aus Farben tanzender Lichter bemalten.

Elena hielt den Atem an. Ihr Vater war wie erstarrt. Seine Hände schwebten noch über seinem Weinglas, die Augen weit aufgerissen. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen, das leise Summen des rotierenden Lichts das einzige Geräusch im Raum.

„Was… was ist das?“, murmelte er schließlich, seine Stimme war kaum mehr als ein Krächzen.

Die Kugel zog sich plötzlich zusammen, verglühte in einem letzten flimmernden Funken und verschwand, als hätte es sie nie gegeben. Der Raum war wieder still, nur der Wein in den Gläsern schimmerte, als wäre nichts geschehen.

Elena blickte ihren Vater an. Er sah sie lange an, seine Miene immer noch gezeichnet von Schock, aber auch von einer aufkeimenden Erkenntnis. „Elena… ich weiß nicht, was das war. Aber ich glaube, du hast recht. Es scheint, als würde tatsächlich etwas geschehen, das wir nicht verstehen.“

Ein langer Moment verging, bevor er den Kopf schüttelte und leise hinzufügte: „Manchmal braucht es wohl ein eigenes Erlebnis, um zu begreifen, dass die Welt größer ist, als man dachte.“

Elena lächelte schwach, erleichtert, dass er sie nun ernst nahm. „Ich wollte nicht, dass du mir einfach so glaubst. Aber ich brauche deine Unterstützung. Es wird immer mehr passieren, das kann ich fühlen.“

Ihr Vater nickte, seine Hand ruhte schwer auf ihrer Schulter. „Du hast meine Unterstützung, Elena. Was immer das ist, ich werde dir helfen, damit umzugehen.“

Zum ersten Mal seit Wochen fühlte Elena, dass sie nicht allein war in ihrem Kampf gegen das Unerklärliche. Sie blickte auf die Weinflasche, in der sich nun nur noch das tiefe Rot der Dunkelheit spiegelte. Die Welt hatte einen weiteren Riss bekommen – und er war nicht länger nur für sie sichtbar.

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