Das Flimmern der Ewigkeit Kapitel 26: Aliens

Es war ein kühler, stiller Morgen, als Elena mit Nelly durch den Wald ging. Der Boden unter ihren Füßen war feucht, der Nebel hing noch schwer zwischen den Bäumen, und die Welt schien in eine ungewöhnliche Ruhe getaucht. Nelly lief ein paar Schritte voraus, schnupperte hier und da, während Elena in Gedanken versunken war.

Die Luft war merkwürdig dicht, beinahe elektrisch geladen. Elena bemerkte es erst, als der Wald stiller wurde – zu still. Kein Vogel sang, kein Wind rauschte durch die Blätter. Sie blieb stehen und sah sich um. Nelly hielt ebenfalls inne, ihre Ohren gespitzt, ein leises Knurren kam aus ihrer Kehle.

„Was ist los?“ flüsterte Elena, mehr zu sich selbst.

Dann hörte sie es: ein tiefes, kaum hörbares Summen, das aus der Ferne zu kommen schien. Es wurde lauter, vibrierte in der Luft, bis Elena es nicht nur hörte, sondern in ihrem ganzen Körper spürte. Ein Licht – bläulich und unwirklich – fiel plötzlich durch die Baumwipfel. Es war zu hell, zu klar, als könne es nicht von dieser Welt stammen.

„Komm, Nelly.“ Elena bückte sich, wollte nach ihrer Hündin greifen, doch ehe sie reagieren konnte, spürte sie eine unsichtbare Kraft. Ein Druck, der sie umfing und nach oben zog. Ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr. Sie schrie, doch kein Laut kam über ihre Lippen. Nelly wurde mitgezogen, ihre kleinen Pfoten strampelten hilflos in der Luft.

Das Licht verschlang sie.

Als Elena wieder zu sich kam, lag sie auf einer glatten, metallisch kühlen Oberfläche. Der Raum um sie herum war grell erleuchtet, aber das Licht schien nirgendwoher zu kommen. Alles war weiß, steril, ohne erkennbaren Ursprung. Nelly lag ruhig neben ihr, atmete flach, aber sie schien unverletzt.

Elena richtete sich langsam auf. Vor ihr standen mehrere Gestalten. Sie waren humanoid, aber anders – ihre Gesichter blass, die Haut beinahe durchsichtig, die Augen groß und schwarz wie endlose Löcher. Keine Feindseligkeit lag in ihrem Ausdruck, nur eine seltsame Ruhe, die ihr mehr Angst machte als alles andere.

Eines der Wesen trat vor. Es sprach nicht, doch Elena hörte die Worte klar in ihrem Kopf, als würden sie direkt in ihre Gedanken gepflanzt:

„Du hast Fragen, Elena. Fragen nach dem Flimmern, nach den Mustern, nach der Formel.“

Elena schnappte nach Luft. „Wer seid ihr? Was wollt ihr von mir?“

„Wir sind die Beobachter. Dies ist ein Experiment.“

„Ein Experiment?“ Ihre Stimme zitterte.

„Das, was du siehst, was du erlebst – die Träume, das Signal – sind Teil eines gezielten Tests. Bestimmte Bevölkerungsgruppen werden seit Langem beobachtet. Wir erforschen die Anpassung an ein erweitertes Bewusstsein.“

„Bevölkerungsgruppen?“ Elena schüttelte den Kopf, versuchte zu begreifen. „Ihr spielt mit uns? Mit mir?“

Das Wesen schien unbeeindruckt von ihrem Ausbruch. „Euer Verständnis von Realität ist begrenzt. Wir erweitern es. Die Phänomene sind von uns platziert. Deine Wahrnehmung reagiert darauf, wie es vorgesehen ist.“

Elena fühlte Wut in sich aufsteigen. „Und wozu das alles? Was wollt ihr erreichen?“

„Das Gleichgewicht zwischen dem Physischem und Psychischem, zwischen Wissenschaft und Bewusstsein. Ihr müsst bereit sein, die nächste Stufe zu erreichen. Einige, wie du, spüren bereits die Linien der Wahrheit.“

Ihr Kopf schwirrte, die Worte hallten in ihr nach. Es ergab Sinn – und doch nicht. Alles, was sie erlebt hatte, alles, was sie gefühlt hatte, war nur Teil eines Experiments?

„Und was passiert jetzt?“ flüsterte sie.

„Du wirst zurückkehren. Du wirst verstehen, dass dies kein Zufall ist. Die Welt verändert sich. Und du bist Teil davon.“

Ein erneutes Summen erfüllte den Raum. Das Licht wurde intensiver, und Elena spürte, wie die unsichtbare Kraft sie wieder umfasste.

Als Elena die Augen öffnete, lag sie wieder im Wald. Die Vögel zwitscherten, der Wind rauschte in den Bäumen, als wäre nichts geschehen. Nelly saß neben ihr, zitterte leicht, aber ansonsten war sie ruhig. Elena tastete nach ihrem Kopf, ihr Herz raste.

War es ein Traum? Ein Wahn?

Sie sah auf und bemerkte es: Die Lichtung war verändert. Das Gras war in einem seltsamen Muster niedergedrückt – Linien, Kreise, wie die Formel aus ihrem Traum.

Nelly leckte ihr über die Hand, und Elena zog sie fest an sich. Das Flimmern, die Formel, die Muster – es war alles Teil von etwas Größerem. Ein Experiment, das weit über das hinausging, was sie zu begreifen wagte.

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