Das Flimmern der Ewigkeit Kapitel 27: Zweifel

Der Raum war still. Nur das leise Summen der Geräte erfüllte die Luft, als würde die Stille selbst atmen. Elena saß auf der Tischkante, die Finger fest um ihre kalte Teetasse geschlossen, als könnte sie darin etwas Wärme oder Gewissheit finden. Vor ihr stand Tarek, das Kinn an die Brust geneigt, seine Hände in den Taschen seiner Laborkleidung vergraben.

„Tarek …“ Elenas Stimme war kaum mehr als ein Hauch. „Glaubst du … glaubst du, dass das hier alles echt ist?“

Er hob den Kopf, langsam, beinahe widerstrebend, als wollte er nicht, dass die Frage ihn trifft. „Echt? Wie meinst du das?“

„Na, alles.“ Sie machte eine hilflose Geste, die in der Luft verpuffte. „Das Universum. Unsere Arbeit. Du, ich. Vielleicht ist das hier … nur ein Traum. Oder ein Fehler. Ein winziger Riss in etwas, das nicht für uns bestimmt ist.“

Tarek sah sie einen Moment lang schweigend an. Seine Augen wirkten plötzlich fremd, tief und unergründlich, wie ein stiller See in der Dunkelheit. „Du meinst, wir schlafen und träumen?“

Elena biss sich auf die Unterlippe. Sie spürte, wie ihre Zweifel in ihr wuchsen, wie unruhige Schatten. „Was, wenn wir das tun? Was, wenn alles, was wir sehen, nur eine Illusion ist? Es fühlt sich so … zerbrechlich an. So falsch. Seitdem das Flimmern da ist, kann ich nicht mehr vertrauen. Nicht dem Boden unter meinen Füßen, nicht der Luft, die ich atme. Es ist, als würde … irgendetwas in unserer Welt bröckeln.“

Tarek schwieg. Sein Blick wanderte zum Fenster, wo die letzten Lichtstreifen des Tages mühsam an den Horizont klammerten. „Das macht dir Angst.“

„Natürlich macht es mir Angst.“ Elena starrte in ihre Tasse, als könnte sie dort eine Antwort finden. „Wie könnte es das nicht? Was, wenn wir die Dinge berühren, die nicht berührt werden dürfen? Was, wenn wir zu weit gegangen sind?“

„Und wenn es so ist?“ Tareks Stimme war ruhig, fast leise, aber da lag eine gewisse Festigkeit darin, als würde er sie auffangen, wenn sie fiel. „Was ändert das? Wir sind hier, Elena. Ob Traum oder Wirklichkeit, wir existieren. Genau jetzt. Und das ist alles, was zählt.“

Elena schüttelte langsam den Kopf. „Aber was, wenn es zu viel ist? Wenn wir Antworten finden, die wir nicht verstehen? Ich habe das Gefühl … das Gefühl, dass etwas auf uns zukommt. Etwas Großes. Zu groß für uns.“

Tarek drehte sich zu ihr um, die Schultern entspannt, die Augen sanft und wachsam. „Das mag sein. Vielleicht ist das, was wir sehen, größer als alles, was wir je begreifen können. Aber weißt du, was ich glaube?“

„Was?“

„Dass du stärker bist, als du denkst.“ Ein kleines, fast unmerkliches Lächeln huschte über sein Gesicht. „Und wenn es Risse gibt, wenn alles in sich zusammenfällt, dann bist du die Erste, die das sieht. Und ich … ich werde da sein, um dir zu glauben.“

Elena hob den Kopf. Da war etwas in seiner Stimme, das die Angst kurz zum Schweigen brachte – ein Funken Vertrautheit in der Ungewissheit, ein kleines Licht in der Dämmerung.

„Du glaubst mir also?“ Sie lachte leise, bitter und dennoch dankbar.

Tarek zuckte mit den Schultern. „Manchmal ist das alles, was man tun kann: Glauben. Und weitergehen.“

Die Sekunden dehnten sich wieder, und draußen war die Sonne verschwunden, als hätte sie aufgegeben, die Nacht noch länger aufzuhalten. In der Dunkelheit des Fensters sah Elena ihr eigenes Spiegelbild – und dahinter, schemenhaft und flimmernd, etwas, das sie nicht benennen konnte.

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