Das Flimmern der Ewigkeit Kapitel 29: Normalität

Seit Monaten war alles still. Keine Signale, keine rätselhaften Ereignisse, keine unerwarteten Besucher. Elena hatte die Aufregung der vergangenen Zeit fast vergessen. Der Alltag hatte sie wieder.

Ihre Arbeit im Labor verlief routiniert. Daten wurden gesammelt, Berechnungen durchgeführt, Ergebnisse notiert. Kollegen kamen und gingen, Besprechungen folgten auf Besprechungen, und Elena führte ihre Aufgaben mit der gewohnten Präzision aus. Es war ein Kreislauf, der Sicherheit bot – ein Leben, das sich in bekannten Bahnen bewegte.

Manchmal saß sie allein an ihrem Schreibtisch und sah auf die Bildschirme. Die alten Daten des Signals lagen noch irgendwo in einem Ordner gespeichert, doch sie öffnete sie nicht mehr. Es war, als hätte es nie existiert. Manchmal fragte sie sich, ob sie sich alles nur eingebildet hatte.

Der Mensch vergisst schnell, dachte sie. Vielleicht war das auch gut so. Was nützte es, nach Dingen zu suchen, die nicht mehr da waren?

Nach Feierabend kehrte sie in ihre Wohnung zurück. Sie saß auf ihrem Balkon und sah auf die Lichter der Stadt. Alles wirkte geordnet, still und vorhersehbar. Sie mochte diese Abende und die Ruhe, die sie mit sich brachten. Dennoch spürte sie hin und wieder ein leises Ziehen in ihrer Brust – ein Gefühl, dass etwas fehlte, ohne benennen zu können, was es war.

Am Wochenende besuchte sie ihren Vater. Sie sprachen über belanglose Dinge, tranken Tee und lachten über alte Geschichten. Manchmal erwähnte er ihre Arbeit, fragte nach Projekten und Zielen, doch Elena blieb vage. Es gab nichts zu erzählen, was ihn wirklich interessiert hätte.

Abends saß sie wieder allein. Die Stadt summte gedämpft im Hintergrund, während sie ein Glas Wein trank und in die Dunkelheit starrte. Der Himmel war klar, und die Sterne schienen ruhig und weit weg – wie immer. Nelly lag zu ihren Füßen.

So gingen die Tage dahin, einer wie der andere. Doch mit der Zeit begann Elena zu ahnen, dass diese Stille mehr war als nur Ruhe. Sie war wie ein Mantel, der sich um ihr Leben legte und es schwerer machte zu atmen.

„Ist das alles?“, fragte sie sich leise, während ihr Blick an der Fensterscheibe hängen blieb.

Es gab keine Antwort.

Elena stand auf, legte das leere Glas beiseite und zog die Vorhänge zu. Dann ging sie zu Bett, ohne lange nachzudenken. Morgen würde ein neuer Tag kommen – ein Tag wie jeder andere.

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