Flug zu den Sternen Kapitel 5: Die Aurora

Das Jahr war 2055, und die Aurora war die Verkörperung dessen, wozu die Menschheit fähig war, wenn sie die Sterne erreichen wollte. Die Reise zu Alpha Centauri würde zwanzig Jahre dauern – eine unvorstellbare Strecke von über vier Lichtjahren. Mit dem revolutionären Materie-Antimaterie-Antrieb war die Aurora in der Lage, ein Fünftel der Lichtgeschwindigkeit zu erreichen. Das bedeutete, dass das Raumschiff 60.000 Kilometer pro Sekunde zurücklegte – schnell genug, um die Entfernung zwischen der Erde und dem Mond in etwa sechs Sekunden zu überwinden.

Elena saß in der zentralen Brücke der Aurora, die das Herz des Schiffes war. Wände voller holografischer Displays zeigten Datenströme und  Sternenkarten in Echtzeit. Die Panoramakuppel eröffnete den Blick auf das Schwarze des interstellaren Raums, durchzogen von fernen Sternen, die in ihrem kalten Licht funkelten.

Die Reise war eine Meisterleistung der Technik. Der Materie-Antimaterie-Antrieb nutzte die mächtigste Energiequelle, die die Physik kannte: die vollständige Zerstörung von Materie und Antimaterie. Wenn diese aufeinandertreffen, setzen sie reine Energie frei – genug, um selbst Sterne zu bewegen. In der Aurora wurde diese Energie genutzt, um geladene Partikel zu beschleunigen und auszustoßen. Ein unsichtbarer Strahl aus Lichtteilchen trieb das Raumschiff mit atemberaubender Geschwindigkeit voran, weit jenseits dessen, was konventionelle Antriebe je hätten erreichen können.

Die Aurora war nicht nur ein technisches Wunderwerk, sondern auch ein Lebensraum. Die Kabinen der Crew waren funktional gestaltet, mit Schlafmodulen, klappbaren Arbeitsflächen und kleinen Stauräumen für persönliche Gegenstände. Elena hatte ein Foto ihrer Eltern und eine alte Sternkarte des Alpha-Centauri-Systems neben ihrem Bett befestigt – Erinnerungen an die Erde, die bald nicht mehr als ein Lichtpunkt in der Ferne sein würde.

Die Besatzung bestand aus vier Personen, jede von ihnen unverzichtbar.

Jacob Rowen, der Missionsleiter, war das Rückgrat der Mission. Mit seinem silbergrauen Haar und seiner ruhigen, entschlossenen Art strahlte er die Autorität eines erfahrenen Raumfahrers aus. Er hatte eine fast unerschütterliche Gelassenheit, die der Crew ein Gefühl von Stabilität gab.

Dr. Ayana Patel, die Biologin, brachte eine Energie mit, die selbst in der Monotonie des Raumschiffs ansteckend war. Sie war begeistert von der Möglichkeit, dass Edenes Leben beherbergen könnte, und arbeitete bereits an Modellen zur Analyse der atmosphärischen Bedingungen des Planeten.

Tim Malik, der Ingenieur, war für die technischen Systeme des Schiffs verantwortlich, vom Antrieb bis zu den Recyclinganlagen für Wasser und Luft. Seine pragmatische Art und sein trockener Humor halfen der Crew, sich in der Enge des Schiffs wohlzufühlen.

Elena selbst war die Kosmologin der Mission. Ihre Aufgabe war es, die interstellare Navigation zu überwachen und kosmische Phänomene zu analysieren, die die Reise beeinflussen könnten. Sie war auch dafür zuständig, die Daten, die die Aurora sammelte, in den wissenschaftlichen Kontext zu setzen.

Eines Abends, als die anderen in ihren Kabinen waren, blieb Elena auf der Brücke. Das Panoramafenster zeigte den unendlichen Raum, der sie umgab – eine Szenerie, die zugleich beruhigend und einschüchternd war. Die Sternenkarten auf den Displays projizierten ihren Kurs, eine schmale Linie durch das große Nichts.

„Das ist mehr als nur eine Reise,“ dachte Elena. „Das ist ein Sprung in die Zukunft der Menschheit.“

Die Aurora war in Bewegung, eine stille Botschafterin der Erde, die durch das Schwarze flog. Vor ihnen lag Alpha Centauri, ein Sternensystem, das seit Milliarden von Jahren existierte und nun das nächste Kapitel in der Geschichte der Menschheit schreiben könnte. Elena wusste, dass dies erst der Anfang war. Die Sterne warteten, und sie war bereit.

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