Im Jahr 2075. Die Aurora glitt lautlos durch die Dunkelheit des Universums. 40 Jahre war die Crew bereits unterwegs, die meiste Zeit davon in ihren Schlafkapseln.
Die Crew war nun aber wieder aktiv hatte sich in den zentralen Besprechungsraum zurückgezogen, um über den Stand der Mission zu sprechen. Der Raum war klein und funktional, mit einer Panoramaprojektion, die die aktuelle Position der Aurora im Raum zeigte.
Jacob Rowen stand vor dem holografischen Display, auf dem eine Simulation des Alpha-Centauri-Systems zu sehen war. „Noch drei Monate bis zu Edenes“, begann er. „Wir nähern uns einem Planeten, der uns die größten Fragen der Menschheit beantworten könnte. Was werden wir dort finden? Leben? Zivilisation? Oder vielleicht gar nichts?“
Dr. Ayana Patel, die Biologin der Mission, strich nachdenklich über ihre Unterlagen. „Wenn wir wirklich auf Leben stoßen – ich meine, intelligentes Leben –, müssen wir uns darauf vorbereiten, dass es völlig anders sein könnte, als wir es uns vorstellen. Andere Biochemie, andere Wahrnehmung von Zeit, vielleicht sogar ein anderes Verständnis von Existenz.“
Tim Malik, der Ingenieur, lehnte sich zurück und sah in die Projektion des Sternenhimmels. „Ich frage mich, ob sie uns als Eindringlinge sehen würden. Vielleicht sind wir in ihren Augen nichts weiter als neugierige Tiere, die sich in ihren Lebensraum wagen.“
Elena, die bisher still zugehört hatte, blickte nachdenklich auf die Projektion. „Vielleicht denken wir viel zu menschlich darüber nach“, sagte sie schließlich. „Wir gehen davon aus, dass sie entweder uns ähneln oder uns als Bedrohung sehen. Aber was, wenn sie uns gar nicht bemerken? Was, wenn wir für sie so unbedeutend sind wie ein Staubkorn?“
Jacob nickte langsam. „Oder was, wenn sie uns schon lange beobachten? Vielleicht waren sie vor uns da, haben uns aufblühen und wachsen sehen. Vielleicht sind wir für sie so etwas wie eine junge Spezies, die gerade erst beginnt, die ersten Schritte zu machen.“
Ayana schüttelte leicht den Kopf. „Ich frage mich, ob wir überhaupt bereit sind, so etwas zu akzeptieren. Unsere Geschichte zeigt, dass wir mit dem Fremden selten friedlich umgehen.“
Elena hob die Augenbrauen. „Vielleicht ist das unser Test. Vielleicht ist die Frage nicht, ob wir sie finden, sondern ob wir uns selbst genug entwickelt haben, um mit ihnen zu koexistieren.“
Eine kurze Stille breitete sich aus, während die Crew die Bedeutung von Elenas Worten verarbeitete. Der Sternenhimmel, der in der Projektion vor ihnen schimmerte, schien unendlich und unergründlich.
Tim brach das Schweigen. „Was, wenn sie uns schon erwartet haben? Was, wenn Edenes nicht nur ein Zufall ist, sondern ein Ort, an dem sie uns testen wollen? Oder ein Signal, das sie geschickt haben, um uns hierherzulocken?“
Elena ließ ihren Blick über die Projektion schweifen. „Das ist möglich. Aber ich glaube, wir sollten uns auch die Frage stellen, warum wir sie suchen. Ist es wirklich nur die Neugier? Oder steckt da mehr dahinter? Vielleicht suchen wir bei ihnen Antworten, die wir tief in uns selbst nicht finden können.“
Ein unruhiges Schweigen breitete sich aus. Die Aurora glitt weiter durch die Dunkelheit, ein winziger Punkt in der schier unendlichen Weite des Alls. Der Gedanke, dass sie nicht allein sein könnten, hing wie ein unsichtbarer Schleier über dem Raum.
Elena richtete ihren Blick auf den Sternenhimmel. „Vielleicht sind wir selbst das Experiment,“ sagte sie leise. „Vielleicht sind wir die Antwort, die sie suchen.“
Die Crew saß still da und ließ die Worte in der Stille nachhallen. Vor ihnen lag die Unendlichkeit – und vielleicht auch die größte Begegnung, die die Menschheit je erleben würde.

Hinterlasse einen Kommentar