Die Aurora glitt durch das stille, grenzenlose Schwarz des Alls. Noch vier Wochen trennten die Crew von Edenes, doch die Atmosphäre an Bord war angespannt.
Routine und Stille wurden zur Last – bis plötzlich ein schwaches Glimmen die Dunkelheit des Weltraums durchbrach. Die Crew beobachtete es gemeinsam aus dem Cockpit-Fenster.
Ein Lichtkreis zeichnete sich am fernen Horizont des Raums ab, pulsierend, lebendig, fast wie ein Herzschlag.
„Seht ihr das?“ Elena sprach zuerst, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Der Lichtkreis wuchs, langsam und unaufhaltsam. Doch er kam nicht näher – die Aurora flog direkt darauf zu. Es dauerte lange, bis die wahre Natur des Kreises erkennbar wurde.
Was zuerst wie ein flaches Phänomen erschien, entpuppte sich als eine gewaltige Kugel, die aus der Dunkelheit auftauchte, ihre Präsenz schwer greifbar und doch alles durchdringend.
Sie war monumental – mehrere Kilometer im Durchmesser – und makellos. Ihre Oberfläche war schwarz, tiefer als die Schwärze des Alls, und zugleich lebendig.
Ein silbriges Licht flimmerte entlang ihrer Ränder, wie eine Flüssigkeit, die in einem unbekannten Rhythmus pulsierte. Es war kein gewöhnliches Licht. Es schien den Raum um sich herum zu verändern, zu krümmen, ihn in etwas Neues zu verwandeln.
„Das ist… unglaublich,“ murmelte Ayana, ihre Stimme voller Ehrfurcht.
„Nicht nur das,“ sagte Elena leise. „Es ist, als ob die Sphäre lebt. Als ob sie uns ansieht.“
Das Licht glitt über die Oberfläche der Kugel, und die Crew konnte es fühlen – nicht mit ihren Sinnen, sondern tief in sich. Es war, als ob etwas in ihren Verstand eindrang, ihre Gedanken las, ihre Existenz durchdrang. Eine Präsenz, so gewaltig und fremdartig, dass sie kaum fassbar war.
„Das ist Intelligenz,“ flüsterte Jacob. „Etwas… Unvorstellbares. Es denkt.“
Dann erklangen die Töne. Tiefe, hallende Klänge, die durch die Aurora vibrierten, obwohl sie im Vakuum des Weltraums unmöglich waren. Sie waren nicht nur Geräusche, sie waren etwas Größeres – eine Botschaft, die jeder fühlte, auch wenn niemand sie zunächst verstand.
„Es sendet uns etwas,“ rief Elena, während ihre Finger zitternd die Daten auf den Monitoren analysierten. „Das ist keine willkürliche Frequenz. Seht euch das an… es ist die Fibonacci-Reihe.“
Die Zahlen erschienen auf dem Bildschirm: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144.
„Das ist kein Zufall,“ sagte Tim. „Das ist eine Sprache. Die Kugel spricht mit uns.“
„Oder sie prüft uns,“ fügte Elena hinzu, ihre Augen starr auf die Sphäre gerichtet.
Elena spürte, wie etwas sie erfasste – eine unfassbare Intelligenz, die jenseits aller menschlichen Vorstellungskraft lag. Es war nicht feindselig, aber auch nicht einladend. Es war einfach da, allgegenwärtig, unendlich.
Die Crew ergab sich paralysiert dem Schauspiel, aber ohne Angst.
Und dann geschah es.
Ein Lichtstrahl brach aus der Kugel hervor. Nicht blendend, sondern allumfassend, wie eine Welle, die alles durchdrang. Die Aurora wurde in das Licht getaucht, und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen.
Elena spürte Bilder, die sich in ihrem Geist formten: fremde Welten, spiralförmige Galaxien, Strukturen, die sich jeder Definition entzogen. Sie fühlte eine Stimme, die leise flüsterte, wie ein fernes Echo aus einer anderen Wirklichkeit.
Das Licht wurde intensiver, durchdrang jede Faser ihrer Existenz, und die Präsenz der Kugel wurde überwältigend.
Elena war sich bewusst, dass sie sich in der Nähe von etwas befand, das jenseits aller Dimensionen lag – eine Intelligenz, so alt wie die Sterne, so unendlich wie die Zeit.
Dann verschwand die Dunkelheit.
Alles endete im Licht.

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