Flug zu den Sternen Kapitel 9: Der Tunnel

Die Aurora war von Licht erfüllt. Es umhüllte das Schiff wie ein lebendiger Mantel, vibrierte in Farben, die ihre Sinne nicht erfassen konnten. Elena spürte, wie sich alles um sie veränderte – nicht nur der Raum, sondern auch die Zeit schien ihre feste Form zu verlieren.

„Was passiert hier?“ Jacobs Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Plötzlich begann die Kugel vor ihnen, intensiver zu pulsieren. Das Licht wurde greller, lebendiger, und dann – mit einem Ruck, den die Crew körperlich spürte – wurde das Raumschiff in einen Tunnel gezogen.

Der Raum selbst war verschwunden. Um sie herum wanden sich Farben, die in ständiger Bewegung waren: Blau, Gelb, Rot, Silber – eine unendliche Spirale aus Energie, die sich wie lebendige Wellen um sie legte. Der Tunnel vibrierte, als ob er selbst atmete, und das Schiff wurde durch ihn gezogen, schneller, als sie es je für möglich gehalten hätten.

„Ist das ein Wurmloch?“ murmelte Ayana, ihre Augen weit aufgerissen.

„Ich… ich weiß es nicht,“ antwortete Elena, ihre Stimme war seltsam ruhig, obwohl ihr Verstand schrie. Der Tunnel fühlte sich nicht wie ein gewöhnlicher Raum an. Er war zu perfekt, zu lebendig. Es war, als ob sie durch das Innere eines Bewusstseins reisten, durch eine Struktur, die absichtlich geschaffen worden war.

Die Farben änderten sich ständig, wirbelten ineinander, bildeten Muster, die nur für Augenblicke existierten, bevor sie sich wieder auflösten. Es war hypnotisch und beängstigend zugleich.

Die Aurora bebte, als ob sie selbst gegen die Kräfte des Tunnels ankämpfte. Die Crew hielt sich an den Konsolen fest, während ein intensives Vibrieren durch das Schiff ging. Die Instrumente spielten verrückt, Zahlen und Symbole flackerten auf den Displays, und dann – ohne jede Vorwarnung – endete der Tunnel.

Mit einem gewaltigen Ruck wurde die Aurora hinausgeschleudert, zurück in das Universum. Stille.

Doch die Dunkelheit war verschwunden. Vor ihnen erstreckte sich ein Bild, das ihnen den Atem raubte: Ein Planet, groß und majestätisch, schimmerte in Blau, Rot und Gelb. Seine Oberfläche war von strahlenden Farben durchzogen, die wie ein lebendiges Mosaik wirkten. Im Hintergrund glühte eine warme, goldene Sonne, ihre Strahlen tauchten den Planeten in ein sanftes Licht.

„Wo… sind wir?“ flüsterte Jacob, doch niemand hatte eine Antwort.

Die Stille wurde durch ein Signal unterbrochen. Es war leise, fast wie ein Flüstern, doch klar und eindringlich. Die Kugel, die mit ihnen durch den Tunnel gereist war, schwebte ganz in der Nähe, reglos und geheimnisvoll wie zuvor.

Dann erklang eine Stimme, kalt und doch vertraut. Es waren nur zwei Worte, aber sie hallten in der Stille wie ein Echo, das keinen Anfang und kein Ende hatte:

„Seht hin.“

Das Licht der Sonne flackerte, als ob das Universum selbst atmete. Und alles endete im Schimmer der Farben.

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