Flug zu den Sternen Kapitel 12: Die Stimme

Die Aurora schwebte plötzlich wieder in der unendlichen Schwärze des Alls, umgeben von der Stille des Vakuums. Vor ihr pulsierte die mysteriöse Kugel, deren Oberfläche in sanften Wellen schimmerte, als würde sie in einem eigenen Rhythmus atmen. Die Crew beobachtete sie mit angehaltenem Atem, jeder spürte die unausgesprochene Frage in der Luft: Was ist das?

Elena trat näher an das Sichtfenster, ihre Augen fixierten die Kugel. Ein leises Summen erfüllte plötzlich den Raum, kaum wahrnehmbar, doch es vibrierte tief in ihren Köpfen. Es war, als ob das Universum selbst zu ihnen sprach, in einer Sprache ohne Worte, in Gedanken und Empfindungen.

„Ihr sucht nach Antworten“, erklang eine Stimme in ihren Gedanken, melodisch und fremdartig, als ob mehrere Töne gleichzeitig gesprochen würden. „Doch versteht ihr die Fragen?“

Jacob blinzelte überrascht. „Wer spricht da? Bist du… die Kugel?“

„Ich bin ein Flüstern im Gewebe des Kosmos, ein Echo eurer eigenen Existenz“, antwortete die Stimme, ihre Klangfarbe changierte wie Licht durch ein Prisma. „Was ihr seht, ist ein Spiegel eurer innersten Gedanken.“

Ayana spürte eine Gänsehaut auf ihren Armen. „Was willst du uns zeigen?“

„Betrachtet die Sterne um euch“, antwortete die Stimme, die Worte schienen in ihren Gedanken zu tanzen. „Was, wenn ihr nicht außerhalb, sondern innerhalb eines großen Schattens lebt? Einem Raum, der Licht verschlingt und Zeit krümmt.“

Tim flüsterte: „Ein Schwarzes Loch…“

„Namen sind Hüllen für das Unbegreifliche“, erwiderte die Stimme, ein sanftes Lachen vibrierte in ihren Köpfen. „Stellt euch vor, euer gesamtes Sein spielt sich in solch einer Tiefe ab, wo Anfang und Ende verschmelzen.“

Elena runzelte die Stirn. „Du meinst, unser Universum ist… innerhalb eines Schwarzen Lochs?“

„Die Grenzen eures Verstandes sind die Horizonte, die ihr überwinden müsst“, antwortete die Stimme, ihre Töne wurden tiefer, resonanter. „Technik kann Brücken bauen, doch ohne Weisheit führen sie ins Nichts.“

Jacob dachte an die verlassenen Monumente auf dem Planeten. „Du sprichst von Zivilisationen, die trotz ihres Fortschritts scheiterten.“

„Errungenschaften ohne Einsicht sind wie Sterne ohne Licht“, sagte die Stimme, ein Hauch von Traurigkeit schwang mit. „Sie verblassen und hinterlassen Dunkelheit.“

Ayana fragte leise: „Bist du… Gott?“

Ein sanftes Pulsieren ging von der Kugel aus, das Licht wurde intensiver. „Gott ist ein Wort, ein Symbol für das Unendliche. Ich bin ein Teil des Ganzen, wie ihr. Ein Funke im kosmischen Tanz.“

Die Stille, die folgte, war überwältigend. Dann sprach die Stimme erneut, sanft und eindringlich: „Euer Weg ist verloren, doch nicht vergessen. Ich kann euch leiten, doch der Schritt muss von euch kommen.“

Elena hob den Kopf, Entschlossenheit in ihren Augen. „Zeig uns den Weg.“

Ein sanftes Leuchten umhüllte die Aurora, und das Gefühl von Bewegung ohne Bewegung ergriff sie. Sterne verschwammen, Raum und Zeit schienen zu tanzen.

Dann, mit einem letzten Flüstern, verklang die Stimme: „Erkennt die Tiefe in euch, und ihr werdet das Licht finden.“

Die Dunkelheit wich, und die Aurora fand sich auf ihrem ursprünglichen Kurs wieder, doch die Worte hallten in ihren Gedanken nach, wie ein Rätsel, das auf eine Lösung wartete.

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