Flug zu den Sternen Kapitel 15: Energieströme

Die Aurora glitt in ruhiger Präzision über den Planeten Edenes hinweg. In einer Entfernung von knapp 2.000 Kilometern zeichnete sich die Oberfläche unter ihnen ab – ein Meer aus Schatten und flüchtigen Lichtreflexionen, die keinem erkennbaren Muster folgten. Die Sensoren des Schiffs arbeiteten unermüdlich, ihre Anzeigen blinkten und flackerten, während sie die Atmosphäre und die Bewegungen darunter analysierten.

Im Kontrollraum herrschte gespannte Aufmerksamkeit. Captain Rowen stand aufrecht vor den zentralen Monitoren, während Elena und Ayana, die Biologin, ihre Datenpads festhielten und die eintreffenden Informationen durchgingen.

„Atmosphärische Scans abgeschlossen,“ meldete Elena. „Spuren organischer Moleküle sind vorhanden, aber… sie sind ungleichmäßig verteilt. Es sieht nicht aus wie eine typische Biosphäre.“

Ayana beugte sich über die Konsole und fuhr mit den Fingern über die Anzeigen. „Das organische Material ist nicht isoliert,“ stellte sie fest. „Es scheint mit einer Art energetischer Aktivität gekoppelt zu sein. Es ist, als ob die organischen Moleküle in ein größeres System integriert wären – etwas, das sich selbst organisiert.“

Jacob runzelte die Stirn. „Sprechen wir hier von Leben?“

„Vielleicht,“ antwortete Ayana zögerlich. „Aber nicht in einer Form, die wir verstehen. Es könnte etwas Hybrides sein, etwas zwischen organisch und… etwas anderem.“

Die Sensoren meldeten plötzlich eine Bewegung. Auf den Monitoren erschienen flüchtige Schatten, die sich über die Planetenoberfläche zogen. Sie wechselten Form, schienen sich zusammenzufügen und wieder zu zerfallen, als ob sie einem unsichtbaren Rhythmus folgten.

„Das sind keine Wolken,“ murmelte Tim, der Chefingenieur, und lehnte sich näher an die Bildschirme. „Die Bewegungen sind zu präzise.“

Plötzlich leuchteten farbige Muster auf der Oberfläche auf, die sich in wellenartigen Bewegungen ausbreiteten. Es war, als ob der Planet selbst zu atmen begann, die Farben pulsierend und wechselnd.

„Sehen Sie das?“ Ayana trat einen Schritt zurück, ihre Augen fixierten die Monitore. „Diese Farben… sie sind nicht zufällig. Sie folgen einem Schema. Es könnte ein Signal sein.“

„Oder eine Reaktion,“ ergänzte Elena. „Vielleicht antworten sie auf unsere Präsenz.“

Die Erscheinungen wurden intensiver. Die Schatten auf der Oberfläche begannen, sich zu verdichten, und für einen Moment schienen sie vage Formen anzunehmen – Gestalten, die humanoid wirkten, aber instabil und flackernd blieben. Die Farben verstärkten sich, liefen in Strömen durch die Formen, als ob sie eine Botschaft zu vermitteln versuchten.

Ayana sprach leise, ihre Stimme war von einer Mischung aus Faszination und Unruhe erfüllt. „Wenn das Leben ist, dann ist es nichts, was wir je zuvor gesehen haben. Es scheint, als ob sie versuchen, zu kommunizieren – aber ihre Sprache ist… zersplittert.“

Captain Rowen verschränkte die Arme, seine Augen wanderten von einem Bildschirm zum anderen. „Malik, bereiten Sie die Sensoren vor, um noch detailliertere Daten zu sammeln. Ayana, Elena – ich will alles über diese organischen und energetischen Muster wissen. Was auch immer das ist, wir müssen es verstehen, bevor wir uns weiter nähern.“

Die Crew machte sich an die Arbeit, aber die Erscheinungen auf der Oberfläche nahmen weiter zu. Formen entstanden und zerfielen, Farben pulsierten und flackerten, und ein leises, aber klares Gefühl kroch durch die Reihen der Crew: Sie wurden beobachtet.

Die Aurora verharrte in ihrer Position, während Ayana, Elena und Tim fieberhaft versuchten, die rätselhaften Signale zu entschlüsseln. Doch die Daten blieben fragmentiert, und die Erscheinungen blieben ein Rätsel – eines, das jede bekannte Vorstellung von Leben infrage stellte.

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