Flug zu den Sternen Kapitel 16: Sonden

Die Aurora schwebte weiterhin ruhig über der Oberfläche von Edenes, die Monitore im Kontrollraum zeigten ein stetig wachsendes Chaos. Die merkwürdigen Erscheinungen auf der Planetenoberfläche hatten plötzlich ihre Richtung geändert – sie bewegten sich nach oben, direkt auf das Schiff zu.

Elena beobachtete die Sensoren aufmerksam, während Ayana und Tim an den Konsolen arbeiteten, um weitere Daten zu erfassen.

„Was zur Hölle ist das?“ murmelte Tim, als die ersten Schwärme winziger, schimmernder Objekte die Außenkameras erreichten.

„Sonden,“ sagte Ayana leise, ihre Stimme war angespannt. „Milliarden kleiner Einheiten. Sie bewegen sich wie ein Schwarm… aber sie scheinen organisiert.“

Die Sonden, nicht größer als Sandkörner, begannen sich direkt vor der Aurora zu formieren. Zuerst erschienen sie als chaotisches Gewimmel, doch dann schlossen sie sich zu geometrischen Strukturen zusammen – Kreise, Dreiecke, und schließlich humanoide Gestalten. Diese Formen flackerten und zitterten, als ob sie sich ständig neu definieren müssten.

„Sie versuchen… etwas zu zeigen,“ flüsterte Elena, während sie das holographische Bild vor ihr fixierte. „Aber ihre Sprache ist zerbrochen. Das ergibt keinen Sinn.“

Plötzlich begannen die humanoiden Formen, sich zu bewegen. Sie griffen nach unsichtbaren Dingen, deuteten mit zuckenden Gliedmaßen auf die Aurora und lösten sich dann wieder auf, nur um an einer anderen Stelle neue Gestalten zu bilden. Es war ein Tanz des Unverständlichen, ein Versuch der Kommunikation, der scheiterte, weil er zu fragmentiert war.

Doch dann passierte etwas, das die gesamte Crew erstarren ließ. Für einen kurzen Moment formten die Sonden ein Gesicht – verzerrt, unfertig, aber erschreckend menschlich. Augenhöhlen blickten in die Kamera, der Mund öffnete sich, doch anstatt einer Stimme war nur ein Flüstern zu hören, ein wirres, elektronisches Rauschen, das wie ein Echo von Worten klang, die niemand mehr verstand.

„Das ist unmöglich,“ flüsterte Ayana, ihre Hände zitterten leicht. „Das… das ist menschlich. Oder zumindest war es das einmal.“

Die Erscheinung zerfiel, und die Sonden begannen, sich in neue Muster zu formen. Diesmal schienen sie alte Szenen nachzustellen – verzerrte, holographische Bilder von einer Welt, die einmal existiert hatte. Eine Stadt aus Licht, Menschen, die mit Maschinen verschmolzen waren, und dann Zerstörung: Gebäude, die in Flammen aufgingen, Gestalten, die sich in einem Chaos aus Farben und Schatten auflösten.

„Das sind Erinnerungen,“ sagte Elena plötzlich. „Sie… sie erinnern sich an etwas. Aber es ist zerstört, zerbrochen. Sie versuchen, es uns zu zeigen.“

Das Flüstern verstärkte sich, wurde zu einem verzerrten Chor aus Bruchstücken menschlicher Stimmen, die überlagert und unverständlich waren. Nur ab und zu war ein Wort zu erkennen: „Hilfe.“ „Bleib.“ „Nicht allein.“

„Sie leiden,“ flüsterte Ayana, ihre Stimme voller Mitgefühl. „Es ist, als ob sie versuchen, Kontakt aufzunehmen – aber sie können nicht. Sie sind… gefangen.“

Die Formen vor der Aurora begannen, hektischer zu werden. Die humanoiden Figuren formierten sich wieder und wieder, jede war unvollständig, zitterte und brach zusammen. Die Crew sah zu, unfähig, einzugreifen oder zu verstehen.

„Das ist ein Hilfeschrei,“ sagte Captain Rowen schließlich. „Aber wir können nichts tun, solange wir nicht wissen, was sie sind… oder was sie von uns wollen.“

Die Aurora blieb in ihrer Position, während die Sonden weiterhin ihre verzweifelten Muster aufführten. Die Crew fühlte, dass dies mehr war als nur ein Rätsel – es war ein Spiegelbild einer Zukunft, die vielleicht auch sie eines Tages erwarten könnte.

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