Wie ich zu den Kornkreisen kam – Eine persönliche Reise

Manchmal beginnt alles mit einem Nebensatz. Im Herbst 1990 entdeckte ich in unserer Lokalzeitung einen kurzen Artikel über mysteriöse Kreise in englischen Kornfeldern. Es war kein aufsehenerregender Bericht – eher beiläufig, fast zufällig. Doch irgendetwas daran ließ mich aufhorchen. Ich wusste bisher nichts über Thema, aber in mir entstand das Gefühl, dass da etwas nicht stimmte. Als würde sich etwas zeigen, das nicht mehr an seinem vorgesehenen Platz war.

Ein Jahr später – Anfang Juli 1991 – entdeckte ich in einer Buchhandlung das Buch Die Kreise im Korn. Ich hatte gerade Geburtstag und kaufte es mir von meinem Geburtstagsgeld. Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Was dort beschrieben wurde, öffnete mir eine Tür in eine Welt voller Symbole, geometrischer Eleganz und tiefer Fragen. Ich hoffte insgeheim, selbst einmal einen Kornkreis mit eigenen Augen zu sehen.

Und es dauerte nicht lange.

Ende Juli 1991 – nur drei Wochen nach dem Kauf des Buches – prangte auf der Titelseite der BILD-Zeitung ein riesiges Foto: Ein großes, komplexes Kornkreis-Gebilde bei Grasdorf, nur etwa 40 Kilometer von meinem Wohnort Goslar entfernt. Ich war fassungslos – es war, als hätte jemand meinen Wunsch gehört. Obwohl ich zunächst an eine Zeitungsente dachte, fuhr ich sofort hin.

Was ich sah, war tief beeindruckend: ein großflächiges Muster, bestehend aus vielen, präzise angelegten Kreisen. Es war nicht symmetrisch im klassischen Sinn, aber klar strukturiert – und auf eine Weise präsent, die sich schwer in Worte fassen lässt. Vom Feldrand konnte man die Formation nur erahnen, aber das Gefühl, darin zu stehen, war einzigartig. Es war, als sei dort etwas, das eigentlich nicht dorthin gehört – fremd, aber nicht bedrohlich. Ein stilles Staunen begleitete mich die vielen Stunden und Tage, die ich den nächsten Wochen dort verbrachte. Ich machte viele Fotos, untersuchte die Kornlagerungen und vermaß das Gebilde ganz genau.

Besonders in Erinnerung blieb mir ein Mitarbeiter des Bauern, der das Feld bewachte. Ein Mann mit einem blauen und einem braunen Auge – und mit einer beeindruckenden Bildung. Er sprach von Zeitreisen, von physikalischen Theorien und ging dem Ganzen mit einer Ernsthaftigkeit nach, die mich sehr beeindruckte. Überhaupt waren es die Gespräche, die mich besonders faszinierten. Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen entwickelten Theorien: von außerirdischen Intelligenzen über magnetische Felder bis hin zu Erdenergien.

Eine weiter Merkwürdigkeit: In Grasdorf wurde einige Wochen später auch von drei metallischen Platten berichtet – Gold, Silber und Bronze – die unter drei Kreisen gefunden worden sein sollen. Sie trugen genau das Symbol des Kornkreises. Es existieren Fotos, doch der Fund bleibt bis heute rätselhaft. Ich erwähne das, weil es Teil der Geschichte ist – nicht, um Spekulationen zu nähren, sondern um die Vielschichtigkeit des Phänomens zu zeigen.

1992 reiste ich erstmals nach England, dem Zentrum der weltweiten Kornkreisaktivität. Die Landschaft rund um Silbury Hill, Avebury und Stonehenge hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck. Diese Region – mit ihren uralten Kultstätten, den sogenannten Leylines und der besonderen Atmosphäre – wurde für mich zu einem geistigen Ankerpunkt. Ich kehrte noch zweimal dorthin zurück. Es war, als atmete die Landschaft Geschichte – und zugleich ein tiefes, unerklärliches Wissen.

1993 fuhr ich mit vier Freunden in einem alten VW Bus wieder nach England. Für drei Wochen übernachteten wir in einer alten Scheune. In dieser Zeit entstand der Dokumentarfilm Von Kreisen und Scheiben. Wir interviewten zahlreiche Forscherinnen und Forscher, filmten Formationen, diskutierten Theorien. Den Film veröffentlichten wir dann in einem Kino in Norddeutschland und zeigten ihn auch unserem gesamten Bekannten- und Freundeskreis in Goslar.

1994 war ich erneut in England, diesmal mit Mitgliedern der Forschungsgesellschaft Kornkreise (FGK), der ich beigetreten war. Dort begegnete ich vielen spannenden Menschen – unter anderem jungen Studierenden, die eigene Messgeräte entwickelten, um gravitative und elektromagnetische Veränderungen in und um Kornkreise zu untersuchen. Die FGK gab eine eigene Zeitschrift heraus – das FGK-Forum, in dem ich auch Beiträge veröffentlichte.

Ein besonderer Moment war 1994, als wir gemeinsam einen neu erschienenen, riesigen Kornkreis auf einem stark abfallenden Feld entdeckten – noch bevor jemand anders davon wusste (s. Foto unten). Wir vier waren die Ersten. Das Korn war so niedergelegt, dass wir auf unseren Forschungskoffern tatsächlich die Ringe hinabrutschen konnten – wie auf Schnee. Es war ein heißer Nachmittag, ein Moment zwischen Kindheit und Forschung, Spiel und Staunen.

Über die Jahre sammelte ich Bücher, Zeitschriften, Artikel – immer auf der Suche nach Erklärungen. Gab es Hinweise auf eine Intelligenz hinter den Kreisen? Auf ein natürliches, bisher unbekanntes Phänomen? Viele Kreise sind heute nachweislich von Menschen gemacht – doch selbst dabei berichten einige Erschaffer von seltsamen inneren Impulsen, als ob sie gelenkt würden, bestimmte Muster zu erschaffen. Auch das ist Teil des Rätsels.

Neben den plausiblen Erklärungsversuchen – etwa durch Plasmawirbel, elektromagnetische Anomalien oder meteorologische Phänomene – gibt es auch spekulative Ideen: morphogenetische Felder, UFOs, Zeitreisende oder Gaia- die Erde selber.  Ich selbst weiß bis heute nicht, was hinter den Kornkreisen steckt. Aber sie haben mein Leben bereichert – intellektuell, emotional und menschlich.

Auch heute noch entstehen Jahr für Jahr neue Kornkreise, vor allem in Südengland – aber auch in vielen anderen Ländern weltweit. Ihre Formen sind oft atemberaubend schön. Ich kann nur empfehlen, sich die Bilder anzusehen. Sie sind eine eigene Kunstform – eine, die uns vielleicht etwas sagen will, vielleicht aber auch nur den Spiegel des Staunens vorhält.

Was auch immer die Ursache sein mag – die Kornkreise haben mein Denken verändert. Sie haben mich gelehrt, aufmerksam zu bleiben. Und offen. Für das, was wir noch nicht verstehen. Für das, was wir vielleicht nie ganz verstehen werden.

Kornkreis in Grasdorf 1991 (mit geheimnisvoller Metallplatte)
FGK-Team, England 1994
Tim im Kornkreis, England 1994

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