Ich lebe in Goslar. Kleinstadt, ruhig, schön. Fachwerk, gute Luft, man kennt sich. Alles wirkt irgendwie geordnet.
Und trotzdem hab ich manchmal das Gefühl, dass uns die Welt gerade um die Ohren fliegt – nicht durch einen Knall, sondern durch digitales Dauerrauschen.
Denn während draußen alles noch halbwegs normal aussieht, ist drinnen – im Kopf, auf dem Bildschirm, auf dem Handy – Dauerbetrieb.
Noch ein Update. Noch ein neues Tool. Noch ein Link, noch ein Passwort, noch eine Infografik.
Und plötzlich sitzt man da und fragt sich: Muss ich das jetzt alles bedienen? Oder kann ich auch einfach mal nur leben?
Es heißt ja, Technik soll den Alltag einfacher machen. Tut sie auch – manchmal.
Aber ehrlich gesagt: Oft macht sie ihn einfach nur voller.
Man kann heute alles machen. Und genau das ist das Problem. Man kann fünf Kalender führen, mit Cloud-Anbindung und Farbcodes.
Aber irgendwann fragt man sich: Warum eigentlich?
Und dann ist da ja nicht nur die Technik. Es ist auch der ganz normale Berufsalltag, der sich verändert hat.
Digitalisierung im Job heißt heute: noch ein neues Tool lernen, noch eine Plattform bedienen, ständig etwas dokumentieren, immer erreichbar sein – aber am besten alles möglichst „niedrigschwellig“ und „innovativ“.
Man soll effizienter werden, aber oft wird’s einfach nur komplizierter.
Und dazu kommt die große Welt da draußen – die Globalisierung.
Irgendwo in Bolivien streikt eine Lithium-Mine, und schon hängt’s in der deutschen Autoindustrie.
In China werden seltene Erden zurückgehalten – und wir diskutieren hier über Versorgungssicherheit.
Plötzlich hängt der eigene Alltag mit Dingen zusammen, von denen man früher nicht mal wusste, dass sie existieren.
Da reicht’s nicht mehr, „nur“ Lehrer, Coach oder Angestellter zu sein.
Man muss gleichzeitig Technikversteher, Informationsfilter und Krisenmanager sein.
Und das, ohne durchzudrehen. Kein Wunder, dass viele einfach müde werden.
Ich hab nicht das Gefühl, dass es schlimmer wird, weil wir zu wenig Möglichkeiten haben.
Ich glaube, es wird schlimmer, weil wir zu viele haben.
Und weil alles irgendwie wichtig aussieht. Und jeder irgendwas verlinkt.
Und weil man das Gefühl hat: Wenn ich da nicht mitmache, bin ich raus.
Das Verrückte: Mir geht’s ja gut. Ich hab ein Zuhause, einen Beruf, Zeit für Spaziergänge.
Und trotzdem spüre ich manchmal, wie diese Welt, die ich eigentlich mag – voller Wissen, voller Ideen – zu einer Art digitalem Dauerstress wird.
Man kommt mit, aber nur noch gerade so. Und das ist irgendwie kein gutes Gefühl.
Vielleicht ist es an der Zeit, öfter mal einfach zu sagen: Das reicht jetzt.
Nicht aus Trotz. Sondern aus Selbstschutz.
Denn es geht nicht darum, alles zu können.
Es geht darum, manches bewusst nicht zu wollen.

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