1953 – Der vergessene Zündfunke einer Weltkrise

Manche Konflikte scheinen plötzlich zu eskalieren – wie aus dem Nichts. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Was heute in Flammen steht, wurde oft Jahrzehnte zuvor entzündet. Der aktuelle Krieg zwischen Israel und dem Iran ist kein plötzlicher Ausbruch, sondern das späte Aufflammen einer lange schwelenden Krise. Ein zentraler Ursprungspunkt liegt im Jahr 1953 – und kaum jemand spricht heute darüber.

Damals war der Iran auf dem Weg in die Demokratie. Mohammad Mossadegh, ein beliebter, gewählter Premierminister, wollte die Kontrolle über die iranische Ölindustrie zurückholen – ein legitimer, souveräner Schritt. Doch genau dieser Schritt brachte ihn ins Visier der westlichen Mächte. Die USA und Großbritannien organisierten einen Putsch, stürzten Mossadegh und setzten stattdessen den Schah an die Spitze – einen autoritären Monarchen, westlich orientiert, aber im Inneren zunehmend repressiv.

Was folgte, war eine Phase äußerer Modernisierung, aber innerer Entfremdung. Die politische Unterdrückung, die soziale Ungleichheit und die sichtbare Abhängigkeit vom Westen erzeugten über Jahre einen gewaltigen politischen Druck – bis 1979 die islamische Revolution explodierte. Der Schah wurde gestürzt, und an seine Stelle trat ein neues Regime, das den Westen, vor allem die USA und Israel, nicht nur politisch, sondern ideologisch zum Feind erklärte.

Hier liegt der Kern des heutigen Konflikts. Der Hass auf Israel, der seit der islamischen Revolution offizielle Staatsdoktrin des Iran ist, entstand nicht aus dem Nichts. Er ist Teil eines Weltbilds, das sich als Antwort auf westliche Einmischung und historische Demütigung gebildet hat. Israel, als enger Verbündeter der USA, wurde zur Projektionsfläche für all das, was das neue Regime ablehnte: Säkularismus, westliche Ordnung, militärische Überlegenheit, Einfluss im Nahen Osten.

Und genau dieses feindliche Verhältnis, tief verankert in Geschichte und Ideologie, treibt nun beide Seiten an den Rand eines regionalen Flächenbrands – mit der realen Gefahr globaler Ausweitung. Raketen fliegen, Vergeltung wird geschworen, und hinter jedem militärischen Schlag stehen Jahrzehnte verletzter Souveränität, geopolitischer Manipulation und ideologischer Verhärtung.

Natürlich ist Geschichte nie monokausal. Doch es wäre fahrlässig, den Putsch von 1953 zu ignorieren – jenes Ereignis, bei dem zwei westliche Demokratien eine fremde Demokratie zerstörten, um wirtschaftliche Interessen und geopolitische Kontrolle zu sichern. Sie schufen damit die Grundlage für Diktatur, Revolution und religiösen Radikalismus – und säten Misstrauen, das bis heute Früchte trägt.

Die Wahrheit ist unbequem: Der Westen hat selbst mit Hand angelegt an die Krisen, vor denen er heute steht. Wer den Frieden will, muss nicht nur Raketen stoppen – sondern sich auch der eigenen Geschichte stellen. Ohne diese Ehrlichkeit bleibt jeder diplomatische Appell leer. Denn ein Brand, dessen Ursprung man leugnet, lässt sich nicht löschen.

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