Das Netz unter uns – ein existenzieller Gedankengang über das Menschsein


Manchmal denken wir, das Leben müsse uns festen Boden geben. Einen Grund, auf dem wir sicher stehen. Eine Wahrheit, auf die wir bauen können.
Doch je tiefer wir in die Welt und in uns selbst blicken, desto mehr spüren wir:
Es gibt keinen festen Boden.
Keinen letzten Punkt, auf dem wir sagen könnten: Jetzt ist alles geklärt. Jetzt bin ich sicher.

Das ist kein Irrtum – es ist das Wesen des Menschseins.

Denn Menschsein heißt nicht, dass wir Gewissheit haben.
Es heißt, dass wir trotz der Unsicherheit leben können.
Nicht mit Boden – sondern mit einem Netz, das unter uns gespannt ist.

Vielleicht ist es Vertrauen. Vielleicht Liebe. Vielleicht Gott.
Vielleicht auch nur das leise Wissen, dass wir getragen werden –
auch wenn wir nicht wissen, wovon.

Und genau deshalb sind wir frei.
Weil wir nicht stehen müssen – sondern schwingen dürfen.
Von einem Gedanken zum nächsten.
Von einer Frage zur anderen.
Wie auf einem Seil. Ohne festes Ziel.
Aber mit dem Mut, es trotzdem zu wagen.

Wir dürfen die wildesten Gedanken denken.
Wir dürfen uns den unmöglichsten Fragen hingeben.
Wir dürfen zweifeln, scheitern, suchen.
Denn unter allem, was wir nicht wissen,
liegt etwas, das uns hält.

Nicht, weil wir es beweisen können.
Sondern weil wir es spüren.

Das ist nicht wenig.
Das ist vielleicht alles.

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑