Die Welt gerät aus den Fugen. Der jüngste Angriff auf iranische Nuklearanlagen durch Israel, gefolgt von gezielten US-Militärschlägen, ist weit mehr als ein isoliertes Ereignis. Es markiert einen neuen Tiefpunkt in einer sich zuspitzenden geopolitischen Lage, die geprägt ist von militärischer Eskalation, politischer Doppelmoral und dem offenkundigen Versuch, alte Machtverhältnisse um jeden Preis zu verteidigen.
Der Iran-Konflikt steht dabei exemplarisch für eine Entwicklung, in der internationale Regeln systematisch gebrochen werden – unter dem Vorwand der Sicherheit, aber letztlich im Dienst geostrategischer Interessen.
Angriff auf den Iran – Bruch mit dem Völkerrecht
Der Luftangriff auf mehrere iranische Atomanlagen erfolgte ohne UN-Mandat, ohne akute Bedrohungslage und ohne nachvollziehbare juristische Grundlage. Es war ein klassischer Präventivschlag – und damit nach geltendem Völkerrecht illegal. Die UN-Charta lässt militärische Gewalt nur bei Selbstverteidigung oder mit ausdrücklicher Zustimmung des Sicherheitsrats zu. Beides war hier nicht gegeben.
Dass sich zwei atomar hochgerüstete Staaten zu einer solchen Aktion zusammentun – gegen ein Land, das zwar umstritten, aber souverän ist – untergräbt nicht nur das internationale Recht. Es zementiert ein gefährliches Prinzip: Wer stark genug ist, kann sich über Regeln hinwegsetzen.
Multipolare Welt im Fadenkreuz
Hinter dieser Eskalation steckt mehr als ein regionaler Konflikt. Der Iran ist seit 2024 Mitglied der BRICS-Staaten – gemeinsam mit China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika. Diese Staaten fordern offen eine multipolare Weltordnung, in der nicht mehr nur der Westen den Ton angibt. Auch Pakistan nähert sich strategisch dieser Achse an – unter anderem durch wachsende Kooperation mit dem Iran.
Die Angriffe auf iranisches Territorium müssen daher auch als gezielte Schwächung dieses Bündnisses verstanden werden. Es geht nicht allein um iranische Urananreicherung – es geht darum, den geopolitischen Aufstieg von Kräften zu verhindern, die nicht dem westlichen Ordnungsmodell folgen. Der Versuch, diese Entwicklung militärisch zu stoppen, ist jedoch nicht nur rechtlich fragwürdig – er ist historisch zum Scheitern verurteilt. Noch nie ließ sich der Wandel der Weltordnung auf Dauer durch Bomben aufhalten.
China, Taiwan und das globale Kräftemessen
Parallel dazu wächst der Druck im Pazifik: China demonstriert militärische Stärke rund um Taiwan, die USA reagieren mit Präsenz und Drohgebärden. Taiwan wiederum wird aufgerüstet – wirtschaftlich und strategisch. Auch hier zeigt sich das Muster: Eskalation als Mittel zur Einflussbegrenzung. Taiwan ist nicht nur ein geopolitischer Zankapfel – es ist ein Symbol für den Systemkonflikt zwischen westlicher Dominanz und chinesischer Selbstbehauptung.
Wer heute auf militärische Einschüchterung setzt, provoziert bewusst eine globale Polarisierung. Die Fronten verlaufen nicht mehr nur entlang nationaler Interessen – sondern entlang von Ordnungsmodellen. Genau das macht die Lage so gefährlich.
Die Medien: Hüter der Wahrheit oder Teil des Spiels?
Noch beunruhigender ist die Rolle vieler Medien. Statt kritisch zu hinterfragen, übernehmen sie zunehmend die Narrative westlicher Regierungen – besonders wenn es um Israel, die USA oder andere „Partner“ der sogenannten Wertegemeinschaft geht. Was auf der einen Seite als „Verteidigung“ gilt, wird auf der anderen Seite als „Aggression“ verurteilt – obwohl sich die Mittel gleichen.
Diese selektive Moral untergräbt nicht nur die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung, sondern stärkt das Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen insgesamt. Eine freie Presse muss unbequem sein – nicht regierungstreu. Wer heute Krieg verharmlost oder in moralische Schutzbehauptungen kleidet, macht sich mitschuldig an der schleichenden Erosion unserer Rechtskultur.
Widerstand – aber wie?
Es ist höchste Zeit, diesem gefährlichen Kurs etwas entgegenzusetzen. Die schleichende Normalisierung von Präventivschlägen, Sanktionskriegen und geostrategischer Willkür darf nicht hingenommen werden. Wer das Recht mit Füßen tritt, darf nicht auf Schweigen hoffen – sondern muss mit öffentlichem Widerspruch rechnen.
Widerstand beginnt mit klarer Sprache, mit Aufklärung, mit Öffentlichkeit. Er beginnt dort, wo Menschen sich nicht einreden lassen, dass Krieg Frieden schafft. Er entsteht, wenn wir Unrecht nicht relativieren, sondern benennen. Und er wächst, wenn wir uns nicht spalten lassen – sondern erkennen, dass eine friedliche Weltordnung nur dann möglich ist, wenn das Recht für alle gilt.
Was sich hier abzeichnet, ist kein Unfall der Geschichte. Es ist das Ergebnis von Entscheidungen – und jede Entscheidung kann widerrufen werden. Doch dafür braucht es Haltung. Jetzt.

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