Das Rätsel der „Boltzmann-Gehirne“ – wenn das Universum Sie nur denkt

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen gerade an Ihrem Schreibtisch, lesen diese Zeilen – und nichts davon ist real.
Nicht Ihr Körper, nicht Ihr Zimmer, nicht einmal Ihre Vergangenheit.
Alles, was Sie sind, ist nur ein flüchtiger Funke Bewusstsein, der zufällig aus den chaotischen Bewegungen von Teilchen im Weltall entstanden ist.

Klingt nach Science-Fiction? Willkommen in der bizarren Welt der Boltzmann-Gehirne.

Der Physiker Ludwig Boltzmann entwickelte im 19. Jahrhundert eine Theorie über Entropie – also darüber, wie Unordnung im Universum zunimmt. Er stellte sich vor, dass in einer unendlichen Zeitspanne auch völlig unwahrscheinliche Dinge geschehen können. Zum Beispiel:

Ein komplettes Sonnensystem könnte sich spontan aus dem Chaos formen.

Oder – viel wahrscheinlicher – nur ein einzelnes, voll funktionsfähiges Gehirn, das für den Bruchteil einer Sekunde existiert und dabei glaubt, ein ganzes Leben hinter sich zu haben.

Dieses „Boltzmann-Gehirn“ würde Erinnerungen, Gefühle, ja sogar den Eindruck einer realen Welt besitzen – doch all das wäre Illusion. Sobald es entsteht, löst es sich wieder im Nichts auf.

Warum ist diese Idee so verstörend?
Weil sie uns zwingt zu fragen:

Woher wissen wir, dass wir keine Boltzmann-Gehirne sind?

Könnte unser gesamtes Leben nur ein kosmischer Zufallsblitz sein?

Die meisten Physiker halten es zwar für extrem unwahrscheinlich, dass wir Boltzmann-Gehirne sind – doch die Vorstellung selbst ist wie ein Gedankenspiel aus den Tiefen der Kosmologie. Sie erinnert uns daran, dass das Universum nicht verpflichtet ist, unseren gesunden Menschenverstand zu respektieren.

Vielleicht sind Sie also tatsächlich ein echtes Wesen aus Fleisch und Blut.
Oder Sie sind nur ein Funke, der gerade in diesem Augenblick wieder verlischt…

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