Wer nach außerirdischem Leben sucht, muss sich vorher entscheiden, wonach er eigentlich sucht. Es gibt inzwischen mehr als eine Antwort auf diese Frage.
Leben oder Technik
Als das James-Webb-Teleskop den fernen Planeten K2-18b unter die Lupe nahm, ging es um ein einzelnes Gas in seiner Atmosphäre, das auf der Erde fast nur von Lebewesen erzeugt wird. Der Fund war umstritten, spätere Analysen zweifelten ihn wieder an. Genau darum geht es bei einer Biosignatur: einer Spur, die nahelegt, dass irgendwo Leben am Werk ist, ohne dass man das Leben selbst sieht – so wie Rauch über einem Schornstein ein Feuer vermuten lässt, ohne dass man die Flamme sieht. Die Grenze des Bildes: Rauch kann auch ohne Feuer entstehen, und ein vielversprechendes Gas kann auch ohne Leben entstehen.
Die zweite, ältere Spurenart zielt nicht auf Leben, sondern auf Technik. Eine Technosignatur ist ein Hinweis darauf, dass jemand etwas gebaut hat. Das bekannteste Beispiel ist bis heute ein einziger Ausschlag auf einem Papierausdruck: 1977 fing ein Radioteleskop in Ohio ein 72 Sekunden langes Signal auf, so viel stärker als das übliche Hintergrundrauschen, dass ein Astronom „Wow!“ an den Rand kritzelte. Es kam nie wieder, weder an diesem Tag noch bei tausenden späteren Versuchen, dieselbe Stelle am Himmel abzuhören. Ein Signal, das sich nicht wiederholen lässt, bleibt für die Wissenschaft im Grunde eine sehr gute Anekdote – Technosignaturen brauchen Wiederholbarkeit, so wie ein einzelner gehörter Satz noch kein Beweis für ein Gespräch ist.
Jahrzehntelang war das die ganze Landkarte: entweder Leben, ganz klein und stumm, oder Technik, groß genug, um sich bemerkbar zu machen. Dazwischen schien nichts zu liegen.
Eine dritte Spur
Vor kurzem hat die Astrobiologin Julia DeMarines einen dritten Begriff vorgeschlagen: die Noosignatur, benannt nach dem altgriechischen Wort für Geist – Wissenschaftler greifen für Seriosität gern zum Altgriechischen, das klingt gewichtiger als „Gedankenmüll“. Gemeint sind geordnete Spuren, die ein denkendes Wesen hinterlässt, ohne dass es dafür Leben im biologischen Sinn oder ausgereifte Technik im technischen Sinn braucht: Werkzeuge, Muster, so etwas wie Schrift.
Ein Beispiel lässt sich am besten in der Gegenrichtung finden, bei uns selbst: Die Voyager-Sonden tragen seit fast fünfzig Jahren eine goldene Schallplatte durchs All, bespielt mit Musik, Grüßen in 55 Sprachen und Diagrammen, die erklären, woher sie kommt. Kein Lebewesen, kein Funksignal – nur ein geordnetes Objekt, das von jemandem erzählt, der es gemacht hat. Genau danach würde man bei einer Noosignatur suchen, nur eben nicht von uns gemacht. Der Vergleich hört dort auf, wo es um Absicht geht: Die Platte wurde bewusst als Botschaft gestaltet, eine Noosignatur müsste das nicht sein, ein liegengelassenes Werkzeug reicht.
Ob sich eine solche Spur im Rauschen der Daten von reinem Zufall unterscheiden lässt, ist offen. Die Idee ist Wochen, nicht Jahrzehnte alt.
Was bleibt, ist eine Verschiebung der Frage. Man sucht nicht mehr nur nach Leben oder nach Technik, sondern nach Ordnung selbst – und Ordnung ist überall dort möglich, wo einmal etwas gedacht wurde. K2-18b schweigt bislang zu allen drei Fragen gleichzeitig, und auch das „Wow!“-Signal hat bis heute nicht erklärt, was es war.
Quellen:
Julia DeMarines: Preprint zu „Noosignaturen“, arxiv, 2026
Berichte zu JWST-Analysen des Exoplaneten K2-18b, 2025
Big Ear Radio Observatory: Aufzeichnungen zum „Wow!“-Signal, 1977

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